Lochreihe stricken: Zierkante und Faltlinie richtig arbeiten

Lochreihe stricken: Zierkante und Faltlinie richtig arbeiten

Eine einzelne Lochreihe ist wie ein feiner Lichtstreifen im Gestrick: zurückhaltend, aber wirkungsvoll. Sie kann eine schlichte Fläche gliedern, ein Band aufnehmen oder als Bruchkante für einen dekorativen Picotsaum dienen. Technisch besteht sie meist nur aus Umschlägen und passenden Abnahmen – doch Rhythmus, Maschenzahl und Nachbehandlung entscheiden darüber, ob die kleinen Öffnungen ruhig nebeneinanderstehen.

Was ist eine Lochreihe?

Eine Lochreihe ist eine horizontal verlaufende Folge bewusst erzeugter Öffnungen. Häufig wechseln sich ein Umschlag und eine Abnahme ab. Der Umschlag erzeugt eine neue Masche und das Loch; die Abnahme gleicht die Maschenzahl aus.

Anders als ein flächiges Lace-Muster bleibt die Lochstruktur meist auf eine oder wenige Reihen begrenzt. Sie kann rein dekorativ sein oder eine konstruktive Aufgabe übernehmen, etwa als Faltlinie, Kordeldurchzug oder Platz für ein schmales Band.

Verwendung Aufbau Wirkung
Zierlinie eine Lochreihe leichte Unterbrechung
Banddurchzug größere regelmäßige Löcher funktional und dekorativ
Picotkante Lochreihe plus Umschlag gezackter Saum
Ajourfläche mehrere Reihen luftiges Muster
Nahaufnahme zeigt einen Umschlag neben einer Abnahme beim Stricken einer cremefarbenen Lochreihe
Umschlag und Abnahme halten die Maschenzahl stabil und bilden gemeinsam ein Loch.

Einfache Lochreihe Schritt für Schritt

Arbeite bis zur gewünschten Höhe glatt rechts oder im Grundmuster. In der Lochreihe wiederholst Du einen Umschlag und eine passende Abnahme. Welche Abnahme verwendet wird, beeinflusst die Optik: Zwei rechts zusammen neigt sich nach rechts, eine überzogene Abnahme nach links.

Auf der Rückreihe werden Umschläge wie normale Maschen abgestrickt, sofern die Anleitung nichts anderes vorgibt. Zähle nach der Lochreihe nach. Bei ausgeglichenem Rapport bleibt die Gesamtmaschenzahl unverändert.

  1. Position der Lochreihe markieren
  2. Randmaschen getrennt planen
  3. Umschlag bilden
  4. zwei Maschen passend zusammenstricken
  5. Rapport über die Reihe wiederholen
  6. Rückreihe ohne verdrehte Umschläge arbeiten
  7. Maschenzahl kontrollieren
Drei Proben vergleichen einzelne Lochreihe mehrere Reihen und gezackte Picot-Faltkante
Je nach Weiterverarbeitung wird die Lochreihe zur Zierlinie, zum Durchzug oder zur Picotkante.

Picot-Faltkante und Bänderdurchzug

Für eine Picotkante wird die Arbeit an der Lochreihe gefaltet. Die Umschlaglöcher bilden an der Bruchkante kleine Zacken. Damit Ober- und Unterteil genau aufeinanderpassen, liegen vor und nach der Lochreihe gewöhnlich gleich viele Reihen.

Für einen Durchzug müssen Öffnung, Bandbreite und Material zusammenpassen. Ein dickes Band durch kleine Wollöffnungen verzieht den Stoff. Probiere den Durchzug an der gewaschenen Probe und plane die Lochabstände so, dass Anfang und Ende symmetrisch liegen.

Cremefarbene Probe mit drei gleichmäßigen Lochreihen ist auf einer Unterlage gespannt
Nach dem Waschen und sanften Spannen werden Abstand und Größe der Öffnungen gleichmäßiger.

Garn, Nadel und Maschenprobe

Glattes Garn zeigt regelmäßige Löcher klar. Flauschige Fasern schließen kleine Öffnungen optisch und eignen sich besser für weiche, angedeutete Effekte. Pflanzenfasern halten die Öffnung deutlich, besitzen aber weniger Rücksprung als Wolle.

Spitze Nadeln erleichtern Abnahmen, zu scharfe Spitzen können lockere oder empfindliche Fäden spalten. Wasche eine ausreichend breite Probe und spanne sie nur so stark, wie das fertige Stück behandelt wird.

Geeignete Projekte

Lochreihen passen zu Säumen, Ärmelabschlüssen, Babykleidung ohne lose lange Bänder, Sommertops, Tüchern, Beuteln und dekorativen Kanten. Bei Kleidungsstücken sollte ein Durchzug so gestaltet sein, dass keine störenden Druckstellen entstehen.

Als einzige Faltlinie ist eine Lochreihe dekorativer als eine glatt linke Bruchkante, aber auch offener. Für sehr winddichte oder stark belastete Kanten ist eine geschlossene Lösung robuster.

Typische Fehler und Reparaturen

Wandern die Löcher, stimmt der Rapportbeginn nicht oder eine Randmasche wurde einbezogen. Setze Marker vor den Wiederholungen. Unterschiedlich große Öffnungen entstehen durch verschieden feste Umschläge oder verdrehte Maschen in der Rückreihe.

Ein fehlender Umschlag lässt sich manchmal in der Folgereihe aus dem Querfaden ergänzen. Fehlt gleichzeitig die Abnahme, bleibt die Maschenzahl zwar gleich, aber die Zierlinie ist unterbrochen. Dann ist Zurückstricken meist die sauberste Lösung.

  • Rapport an der Mitte ausrichten
  • Randmaschen separat berechnen
  • Umschläge gleichmäßig bilden
  • nach der Reihe Maschen zählen
  • Probe waschen und Durchzug testen
Tipp aus dem Handarbeitskorb: Markiere die Mitte Deines Projekts und verteile die Lochrapporte von dort nach außen. So bleiben Restmaschen an beiden Rändern gleich und die Zierlinie wirkt geplant statt zufällig.

Passende Grundlagen im Shop

unseren Guide zu Lochmustern, unseren Beitrag zu Bruchkanten und unseren Maschenproben-Guide ergänzen das Thema.

Fazit

Eine Lochreihe braucht wenig Technik und trotzdem gute Planung. Mit ausgeglichenen Umschlägen und Abnahmen, symmetrischem Rapport und einer gewaschenen Probe wird sie zur klaren Zierlinie, zum praktischen Durchzug oder zur feinen Picotkante.

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