Lochmuster lesen und fehlerfrei stricken: Charts sicher verstehen

Lochmuster lesen und fehlerfrei stricken: Charts sicher verstehen

Eine Strickschrift voller Kreise, Schrägstriche und leerer Kästchen sieht zunächst wie Geheimcode aus. Doch jedes Symbol steht nur für eine Masche oder eine kleine Bewegung. Wenn Du Leserichtung und Maschenbilanz verstehst, wird aus dem Rätsel ein ruhiger Weg durch den Rapport.

Ein klassisches Loch entsteht durch einen Umschlag; eine Abnahme gleicht die zusätzliche Masche meist wieder aus. Dekor und Formgebung können diese Bilanz bewusst verändern.

Strickschrift richtig lesen

  • Hinreihen: gewöhnlich von rechts nach links.
  • Rückreihen: gewöhnlich von links nach rechts.
  • In Runden: jede Reihe von rechts nach links.
  • Nur Hinreihen gezeichnet: Rückreihen werden nach Legende gearbeitet, oft links.

Die Legende der konkreten Anleitung ist immer maßgeblich. Ein leerer Kasten kann rechte Masche, „keine Masche“ oder nur einen Platzhalter bedeuten.

Umschlag als neue Masche im Lochmuster
Der Faden wird über die Nadel gelegt. In der nächsten Reihe abgestrickt, öffnet er das typische Lace-Loch.

Die Maschenbilanz prüfen

Ein Umschlag zählt als +1 Masche, eine einfache Abnahme als −1, eine doppelte Abnahme als −2. Bleibt die Breite gleich, müssen sich Zu- und Abnahmen innerhalb der Reihe oder über den angegebenen Formabschnitt ausgleichen.

Beispiel: Zwei Umschläge (+2) plus zwei einfache Abnahmen (−2) ergeben netto null. Zwei Umschläge neben einer mittigen Doppelabnahme (−2) ebenfalls. Ändert sich die Maschenzahl laut Konstruktion, ist eine ungleiche Bilanz natürlich gewollt.

Abnahme zwischen markierten Lace-Rapporten
Die Abnahme kompensiert einen Umschlag und bestimmt mit ihrer Neigung die sichtbare Blatt- oder Diagonallinie.

Wichtige Symbole als Bewegungen denken

Aktion Maschenzahl Optische Wirkung
Umschlag +1 offenes Loch
2 rechts zusammen −1 rechtsneigende Linie
überzogen / SSK −1 linksneigende Linie
mittige Doppelabnahme −2 symmetrische Mittelspur
Geblocktes Lochmuster mit Blattmotiven
Erst nach dem Waschen und Spannen öffnen sich die Umschläge vollständig und die Abnahmelinien zeichnen das Motiv.

Rapporte markieren und zählen

Setze Marker zwischen Wiederholungen, wenn sie die Abnahmen nicht behindern. Zähle die Maschen jedes Rapports direkt nach einer Musterreihe. Ein Reihenzähler und eine abgedeckte Chartzeile verhindern, dass das Auge versehentlich springt.

Die Lifeline: Sicherheitsnetz im Garn

Ziehe nach einem fehlerfreien Rapport einen glatten Kontrastfaden durch alle Maschen, ohne Maschenmarkierer einzufangen. Fällt später etwas schief, ribbelst Du nur bis zu dieser Rettungslinie. Bei austauschbaren Nadeln lässt sich der Faden manchmal durch das Schlüsselloch des Kabels mitführen.

Typische Fehler

  • Ein Loch fehlt: Umschlag vergessen; in der Folgereihe lässt er sich manchmal gezielt einlegen.
  • Eine Masche zu viel: Umschlag doppelt oder Abnahme ausgelassen.
  • Diagonale bricht: links- und rechtsneigende Abnahme vertauscht.
  • Rapport verschoben: Randmaschen oder Anfangsmaschen nicht von der Wiederholung getrennt.
  • Rückreihe falsch: Leserichtung oder Legende nicht beachtet.

Garnwahl und Blocken

Glatte, feste Garne zeigen feine Motive; Mohair schenkt zauberhaften Fluff, macht Fehlerkorrekturen aber mühsam. Stark gesprenkelte Farben können filigrane Linien verdecken. Stricke mindestens einen ganzen Rapport und wasche ihn. Wie das geht, zeigt Die Maschenprobe – wichtig oder Zeitverschwendung?.

Hinweise zur Projektwahl findest Du in Welches Garn für welches Projekt?; Material bei Wolle und Garnen und Nadeln und Zubehör.

Fazit

Lies Hinreihen von rechts, prüfe die Legende und rechne Umschläge gegen Abnahmen. Mit Markern, Reihenzähler und Lifeline wird Lace nicht nervös, sondern eine wunderbar entschleunigte Maschenreise.

© 2026 by POHL-HG

Zurück zum Blog