Dochtgarn beim Stricken und Häkeln | Glossar
Dochtgarn ist ein sehr locker oder nur schwach gedrehter, meist einzelner Faserstrang. Seine Oberfläche wirkt weich, voluminös und oft leicht unregelmäßig. Der Ausdruck wird im Handarbeitsbereich nicht immer trennscharf verwendet; manche Hersteller bezeichnen auch Roving-artige Garne oder locker aufgebaute Einfachgarne als Dochtgarn.
Aufbau und Eigenschaften
Weil die Fasern nur wenig Drehung zusammenhält, enthält das Garn viel Luft und kann bei geringem Gewicht warm und füllig wirken. Gleichzeitig besitzt es weniger Schutz durch Zwirnung. Reibung, Zug und häufiges Aufribbeln können Fasern verschieben, den Faden ausdünnen oder die Oberfläche aufrauen. Tierische Fasern können bei Feuchtigkeit, Wärme und Bewegung leichter anfilzen.
Geeignete Projekte
Dochtgarn eignet sich für weiche Mützen, Schals, Loops, voluminöse Pullover und dekorative Wohnprojekte mit geringer bis mittlerer Reibung. Für stark beanspruchte Socken, Taschengriffe oder Ellenbogen ist ein fest gezwirntes Garn oft haltbarer. Verfügbare Alternativen nach Material und Stärke stehen in der Kollektion Wolle.
Verarbeitung und Pflege
Eine glatte, nicht übermäßig spitze Nadel hilft, den lockeren Strang vollständig zu erfassen. Fadenenden werden breit und vorsichtig eingewebt; starkes Verknoten kann sichtbare Verdickungen erzeugen. Waschen und Trocknen richten sich nach der Banderole. Warum Wolle unter ungünstigen Bedingungen verfilzt, erklärt „Warum verfilzt Wolle?“.
Typische Fehler und wichtige Abgrenzungen
- Dochtgarn wird mit einem fertig verzwirnten Mehrfachgarn gleichgesetzt.
- Der Faden wird mit einer scharfen Spitze wiederholt geteilt.
- Ein empfindlicher Einzelstrang wird für stark scheuernde Projekte gewählt.
- Die Pflege wird allein vom voluminösen Aussehen abgeleitet.
Kurz gefragt
Ist Dochtgarn dasselbe wie ungesponnene Wolle?
Nein. Es besitzt bereits einen zusammenhängenden Fadenaufbau, kann aber deutlich weniger gedreht sein als gewöhnliches Strickgarn.
Pillt Dochtgarn immer stark?
Nicht immer. Faserlänge, Drehung, Projekt, Maschendichte und Reibung bestimmen, wie stark sich Fasern lösen.