Was ist tunesisch häkeln? Technik einfach erklärt
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Was ist tunesisch häkeln?
Tunesisch häkeln ist eine spannende Handarbeitstechnik, die optisch zwischen Häkeln und Stricken liegt. Obwohl dabei mit einer Häkelnadel gearbeitet wird, erinnert das fertige Maschenbild häufig an gestrickte Stoffe. Je nach verwendeter Maschenart können aber auch ganz eigene, markante Strukturen entstehen.
Charakteristisch für das tunesische Häkeln ist eine besonders lange Häkelnadel, auf der während der Arbeit mehrere Maschen gleichzeitig liegen. Dadurch unterscheidet sich diese Technik deutlich vom klassischen Häkeln.
Wer gerne neue Handarbeitstechniken ausprobiert oder feste, gleichmäßige Flächen häkeln möchte, findet im tunesischen Häkeln eine interessante Alternative.
Wie funktioniert tunesisch häkeln?
Beim normalen Häkeln wird eine Masche meist vollständig gearbeitet, bevor die nächste entsteht. Beim tunesischen Häkeln funktioniert das anders.
Eine Reihe besteht normalerweise aus zwei Arbeitsgängen:
1. Hinreihe – Maschen aufnehmen
Zunächst werden nacheinander Schlaufen aus den Maschen der Vorreihe aufgenommen.
Diese Schlaufen bleiben auf der tunesischen Häkelnadel liegen. Am Ende der Hinreihe befinden sich deshalb viele Maschen gleichzeitig auf der Nadel.
2. Rückreihe – Maschen abarbeiten
Anschließend werden die aufgenommenen Schlaufen wieder schrittweise abgehäkelt.
Die Arbeit wird dabei normalerweise nicht gewendet. Hin- und Rückreihe werden von derselben Seite gearbeitet.
Genau dieser besondere Ablauf sorgt für das typische Maschenbild des tunesischen Häkelns.
Welche Nadel braucht man zum tunesischen Häkeln?
Für kleine Projekte kann eine klassische lange tunesische Häkelnadel verwendet werden. Sie sieht ähnlich wie eine normale Häkelnadel aus, besitzt jedoch einen deutlich längeren Schaft.
Für größere Projekte gibt es Nadeln mit flexiblem Seil. Sie funktionieren ähnlich wie Rundstricknadeln: Die Maschen können auf das Seil gleiten und müssen nicht vollständig auf dem starren Nadelschaft liegen.
Typische Varianten sind:
- lange tunesische Häkelnadeln mit Stopper
- tunesische Häkelnadeln mit flexiblem Seil
- austauschbare Häkelnadel-Systeme
- doppelseitige tunesische Häkelnadeln
Welche Variante geeignet ist, hängt vor allem von der Größe des Projekts ab.
Für einen Schal reicht beispielsweise häufig eine längere feste Nadel aus. Für Decken, Pullover oder breite Kleidungsstücke ist eine Häkelnadel mit Seilsystem meist komfortabler.
Was ist der Unterschied zwischen tunesischem und normalem Häkeln?
Der größte Unterschied liegt in der Art, wie die Maschen verarbeitet werden.
Beim klassischen Häkeln befindet sich normalerweise nur eine aktive Masche auf der Nadel. Beim tunesischen Häkeln werden dagegen zunächst viele Schlaufen aufgenommen und anschließend gemeinsam in der Rückreihe abgearbeitet.
Dadurch entsteht häufig ein dichteres und kompakteres Gewebe.
Auch optisch unterscheiden sich die Techniken deutlich. Einige tunesische Häkelmuster wirken beinahe gestrickt, andere zeigen ausgeprägte Rippen, Waben oder strukturierte Flächen.
Warum heißt die Technik „tunesisch häkeln“?
Woher der Name genau stammt, lässt sich historisch nicht eindeutig bestimmen. Die Technik wurde im Laufe der Zeit unter verschiedenen Namen bekannt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Tunesisches Häkeln
- Afghan Crochet
- Afghanisches Häkeln
- Tricot Crochet
Mit dem heutigen Tunesien muss die Technik daher nicht zwingend direkt verbunden sein. Im deutschsprachigen Raum hat sich jedoch die Bezeichnung „Tunesisch häkeln“ etabliert.
Welche Maschen gibt es beim tunesischen Häkeln?
Tunesisches Häkeln bietet überraschend viele Möglichkeiten. Bereits durch kleine Änderungen beim Einstechen entstehen vollkommen unterschiedliche Strukturen.
Zu den bekanntesten Maschen gehört die tunesische Grundmasche.
Dabei wird die Häkelnadel durch den senkrechten Maschensteg der Vorreihe geführt und eine neue Schlaufe aufgenommen.
Weitere beliebte Techniken sind beispielsweise:
Tunesische Strickmasche
Die tunesische Strickmasche ähnelt optisch einer klassischen rechten Strickmasche.
Dadurch können Flächen entstehen, die auf den ersten Blick fast wie gestrickt aussehen.
Tunesische linke Masche
Auch eine Maschenstruktur ähnlich linker Strickmaschen lässt sich tunesisch häkeln.
Tunesische Vollmasche
Hier wird zwischen beziehungsweise durch bestimmte Maschenbereiche eingestochen. Dadurch entsteht eine etwas andere Struktur als bei der klassischen Grundmasche.
Struktur- und Reliefmuster
Mit verschiedenen Einstichtechniken, Umschlägen und Maschenkombinationen lassen sich plastische Muster, Lochmuster, Zöpfe und dekorative Strukturen erzeugen.
Tunesisches Häkeln ist deshalb wesentlich vielseitiger, als es zunächst erscheinen mag.
Welches Garn eignet sich für tunesisches Häkeln?
Grundsätzlich lassen sich viele Garne verwenden.
Besonders angenehm für Einsteiger sind Garne mit einer klaren, gleichmäßigen Struktur, bei denen die einzelnen Maschen gut zu erkennen sind.
Geeignet sind beispielsweise:
- Merinowolle
- klassische Schurwolle
- Baumwolle
- Baumwollmischungen
- Mischgarne
- Acrylgarne
- Alpaka-Mischungen
Sehr flauschige Garne wie stark haariges Mohair können für Anfänger schwieriger sein, weil die Einstichstellen schlechter sichtbar sind.
Für die ersten Übungen ist deshalb ein glattes Garn meist die bessere Wahl.
Welche Nadelstärke sollte man verwenden?
Tunesisch gehäkelte Flächen neigen dazu, relativ fest zu werden.
Deshalb wird häufig eine größere Nadelstärke als beim normalen Häkeln verwendet.
Wenn für ein Garn beispielsweise eine Häkelnadel von 4 mm empfohlen wird, kann beim tunesischen Häkeln eine Nadel von etwa 5 oder 6 mm angenehmer sein.
Das ist allerdings nur eine Orientierung.
Entscheidend sind:
- gewünschte Festigkeit
- verwendete Maschenart
- Garnstärke
- persönliche Fadenspannung
- gewünschter Fall des fertigen Projekts
Eine Maschenprobe ist deshalb insbesondere bei Kleidungsstücken empfehlenswert.
Warum rollt sich tunesisch Gehäkeltes manchmal ein?
Eine der häufigsten Überraschungen für Anfänger ist das Einrollen der Arbeit.
Vor allem die klassische tunesische Grundmasche kann dazu führen, dass sich der untere Rand nach vorne einrollt.
Das ist zunächst kein Fehler.
Die Ursache liegt in der besonderen Maschenkonstruktion und der Spannung innerhalb des Gewebes.
Das Einrollen lässt sich reduzieren, indem beispielsweise:
- eine größere Häkelnadel verwendet wird
- die Fadenspannung lockerer gehalten wird
- ein anderer Rand gearbeitet wird
- strukturierte oder weniger stark rollende Maschen verwendet werden
- das fertige Werkstück gespannt beziehungsweise geblockt wird
Bei manchen Projekten kann auch eine klassische Häkelkante rund um das fertige Werkstück helfen.
Welche Projekte eignen sich für tunesisches Häkeln?
Die Technik eignet sich für sehr viele Projekte.
Besonders beliebt sind:
Schals und Tücher
Schals sind ideale Anfängerprojekte. Man kann die Grundtechnik erlernen und gleichzeitig unterschiedliche Maschen ausprobieren.
Kissen
Die relativ dichte Struktur eignet sich hervorragend für dekorative Kissenhüllen.
Decken
Tunesische Häkeldecken sind besonders beliebt. Durch Farbstreifen, Muster oder einzelne Quadrate lassen sich sehr unterschiedliche Designs gestalten.
Taschen
Da viele tunesische Maschen ein recht stabiles Gewebe erzeugen, eignet sich die Technik hervorragend für Taschen.
Topflappen und Wohnaccessoires
Baumwollgarne lassen sich zu robusten Untersetzern, Topflappen und anderen Wohnaccessoires verarbeiten.
Pullover und Jacken
Auch Kleidungsstücke sind möglich. Hier sollte jedoch auf eine ausreichend große Nadel und ein weiches, nicht zu festes Maschenbild geachtet werden.
Mützen und Loops
Mit der passenden Technik beziehungsweise doppelseitigen Nadeln kann auch in Runden gearbeitet werden.
Kann man tunesisch häkeln in Runden?
Ja.
Tunesisches Häkeln ist nicht ausschließlich auf gerade Reihen beschränkt.
Für Arbeiten in Runden werden häufig doppelseitige tunesische Häkelnadeln verwendet. Dabei kann teilweise mit zwei Garnknäueln beziehungsweise zwei Arbeitsfäden gearbeitet werden.
Diese Technik eignet sich beispielsweise für:
- Mützen
- Ärmel
- Loops
- Taschen
- andere schlauchförmige Projekte
Sie unterscheidet sich etwas vom tunesischen Häkeln in Reihen und ist deshalb eher der nächste Schritt, nachdem die Grundtechnik sicher beherrscht wird.
Ist tunesisch häkeln schwer?
Nein – die Grundtechnik lässt sich meist relativ schnell erlernen.
Wer bereits normal häkeln kann, wird viele Bewegungsabläufe wiedererkennen.
Gewöhnungsbedürftig ist zunächst vor allem, dass während der Hinreihe viele Schlaufen gleichzeitig auf der Nadel liegen.
Ein gutes erstes Übungsprojekt ist beispielsweise ein kleiner Schal oder ein Probestück aus einem mittelstarken, glatten Garn.
Schon nach einigen Reihen entwickelt sich meist ein gleichmäßiger Arbeitsrhythmus:
Maschen aufnehmen – Maschen zurückarbeiten – nächste Reihe beginnen.
Tunesisch häkeln oder stricken – was ist besser?
Hier gibt es kein eindeutiges „besser“.
Beide Techniken erzeugen unterschiedliche Stoffeigenschaften.
Tunesisch gehäkelte Flächen können:
- sehr gleichmäßig wirken
- eine interessante Struktur erhalten
- relativ stabil sein
- ein dichtes Maschenbild bilden
Gestrickte Flächen sind dagegen je nach Muster häufig elastischer und weicher fallend.
Wer gerne häkelt, aber eine Optik ausprobieren möchte, die teilweise an Strickmuster erinnert, findet im tunesischen Häkeln eine besonders interessante Alternative.
Vorteile des tunesischen Häkelns
Tunesisch häkeln verbindet viele Eigenschaften verschiedener Handarbeitstechniken.
Besonders interessant sind:
- außergewöhnliche Maschenstrukturen
- teilweise strickähnliche Optik
- stabile Flächen
- viele verschiedene Muster
- interessante Farbgestaltung
- gute Eignung für Decken, Schals und Accessoires
- zahlreiche Möglichkeiten für Anfänger und Fortgeschrittene
Durch verschiedene Garne und Maschen kann dieselbe Technik vollkommen unterschiedlich wirken.
Tunesisch häkeln – eine vielseitige Technik neu entdecken
Tunesisch häkeln ist weit mehr als eine Mischung aus Häkeln und Stricken. Die Technik besitzt eine ganz eigene Maschenkonstruktion und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten für strukturierte, moderne und kreative Handarbeitsprojekte.
Für den Einstieg braucht es nicht viel: Garn, eine passende tunesische Häkelnadel und etwas Übung.
Wer zunächst mit der tunesischen Grundmasche beginnt, kann schon bald weitere Techniken ausprobieren und dabei entdecken, wie unterschiedlich tunesisch gehäkelte Stoffe aussehen können.
Ob Schal, Tasche, Kissen, Decke oder Kleidungsstück – tunesisches Häkeln bietet eine spannende Ergänzung zu den klassischen Handarbeitstechniken.