Vegane Wolle | Welche tierfreien Garne gibt es?
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Pflanzliche und tierfreie Garne einfach erklärt
Wolle ohne Schaf? Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, begegnet uns beim Stricken und Häkeln immer häufiger unter dem Begriff „vegane Wolle“. Gemeint sind Garne, bei deren Herstellung keine tierischen Fasern verwendet werden.
Doch aus welchen Materialien besteht vegane Wolle eigentlich? Ist Baumwolle automatisch vegan? Was hat es mit Bambus-, TENCEL™- oder Viskosegarnen auf sich? Und sind synthetische Fasern wie Polyacryl ebenfalls vegan?
In diesem Beitrag erfahren Sie, was sich hinter veganer Wolle verbirgt, welche Fasern infrage kommen und worauf Sie beim Kauf achten können.
Was bedeutet „vegane Wolle“?
Streng genommen ist die Bezeichnung vegane Wolle etwas irreführend. Im klassischen Sinn bezeichnet Wolle eine tierische Naturfaser – beispielsweise die Wolle von Schafen.
Auch andere beliebte Fasern tierischen Ursprungs gehören nicht zu veganen Garnen, darunter:
- Schurwolle
- Merinowolle
- Alpakawolle
- Kaschmir
- Mohair
- Angora
- Kamelhaar
- Yak
- Seide
Wenn im Handel von „veganer Wolle“ gesprochen wird, sind deshalb normalerweise tierfreie Garne beziehungsweise Wollalternativen gemeint.
Diese können aus pflanzlichen Fasern, aus regenerierten Cellulosefasern oder aus synthetischen Fasern bestehen.
Welche vegane Wolle gibt es?
Die Auswahl an tierfreien Garnen ist inzwischen erstaunlich groß. Dabei unterscheiden sich die Materialien teilweise erheblich hinsichtlich Griff, Wärme, Feuchtigkeitsaufnahme, Elastizität und Pflege.
Baumwolle – der Klassiker unter den veganen Garnen
Baumwolle gehört zu den bekanntesten pflanzlichen Fasern überhaupt. Sie wird aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen und enthält keine tierischen Bestandteile.
Baumwollgarn ist normalerweise:
✓ hautfreundlich
✓ atmungsaktiv
✓ saugfähig
✓ relativ strapazierfähig
✓ pflegeleicht
✓ vielseitig einsetzbar
Besonders beliebt ist Baumwolle für sommerliche Kleidungsstücke, Tops, Pullover, Babybekleidung, Taschen, Wohnaccessoires und Häkelprojekte.
Ein wesentlicher Unterschied zu Schurwolle ist jedoch die Elastizität. Baumwolle besitzt vergleichsweise wenig natürliche Rücksprungkraft. Ein Baumwollpullover kann sich deshalb anders verhalten als ein vergleichbares Modell aus Schur- oder Merinowolle.
Leinen – robust und perfekt für den Sommer
Leinen wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen und zählt zu den ältesten Textilfasern der Menschheit.
Leinengarn zeichnet sich insbesondere durch seine hohe Festigkeit aus. Es kann sich zunächst etwas fester anfühlen, wird aber durch Gebrauch und Waschen häufig angenehmer und geschmeidiger.
Typische Eigenschaften von Leinen sind:
✓ pflanzlichen Ursprungs
✓ sehr strapazierfähig
✓ atmungsaktiv
✓ angenehm bei warmen Temperaturen
✓ charakteristische natürliche Optik
Leinen eignet sich hervorragend für Sommerpullover, Tops, Shirts, Tücher und leichte Jacken.
Häufig wird Leinen mit Baumwolle oder anderen Fasern kombiniert, um die Eigenschaften verschiedener Materialien miteinander zu verbinden.
Hanf – eine interessante Naturfaser
Auch Hanf lässt sich zu Textilfasern verarbeiten. Ähnlich wie Leinen besitzt Hanf eine hohe Festigkeit und kann für langlebige Garne verwendet werden.
Moderne Hanfgarne müssen keineswegs grob sein. Durch entsprechende Verarbeitung können überraschend angenehme Qualitäten entstehen.
Hanf wird außerdem häufig mit anderen Fasern gemischt, beispielsweise mit Baumwolle.
Bambus – genauer hinschauen lohnt sich
„Bambusgarn“ klingt zunächst nach einem Garn, das direkt aus Bambusfasern gesponnen wird. In vielen Fällen steckt dahinter jedoch eine regenerierte Cellulosefaser, häufig Viskose, deren Cellulose aus Bambus gewonnen wurde.
Die pflanzliche Cellulose wird dabei chemisch aufbereitet und anschließend wieder zu Fasern geformt.
Solche Garne können sich besonders weich und glatt anfühlen und besitzen häufig einen schönen Fall.
Typische Eigenschaften sind:
✓ weich und geschmeidig
✓ häufig leicht glänzend
✓ angenehm kühl auf der Haut
✓ fließender Fall
Dadurch eignen sie sich beispielsweise für sommerliche Oberteile, Tücher und leichte Kleidungsstücke.
Viskose – pflanzlicher Ursprung, industriell hergestellt
Viskose nimmt eine interessante Zwischenstellung ein.
Ausgangsmaterial ist Cellulose, die beispielsweise aus Holz gewonnen werden kann. Diese Cellulose wird in einem industriellen Verfahren gelöst und anschließend zu neuen Fasern verarbeitet.
Viskose wird deshalb als regenerierte Cellulosefaser bezeichnet.
Sie kann sehr weich sein und besitzt häufig einen schönen, fließenden Fall. Deshalb findet man Viskose sowohl als reines Garn als auch in zahlreichen Mischgarnen.
Lyocell und TENCEL™
Auch Lyocell gehört zu den regenerierten Cellulosefasern. TENCEL™ ist eine bekannte Markenbezeichnung für entsprechende Fasern des Herstellers Lenzing.
Als Rohstoff dient Cellulose aus Holz.
Lyocellgarne beziehungsweise Mischgarne mit Lyocell können sich angenehm weich und glatt anfühlen. Sie werden deshalb gerne für moderne Sommergarne und hochwertige Mischungen verwendet.
Interessant sind beispielsweise Kombinationen aus:
- Baumwolle und Lyocell
- Leinen und Lyocell
- Baumwolle und Viskose
- Baumwolle und Leinen
Durch solche Mischungen lassen sich die Eigenschaften der einzelnen Fasern gezielt kombinieren.
Kapok – die leichte Pflanzenfaser
Eine weniger bekannte Alternative ist Kapok.
Kapokfasern befinden sich in den Früchten des Kapokbaums. Sie sind ausgesprochen leicht und besitzen besondere Eigenschaften, lassen sich aufgrund ihrer Struktur jedoch nur schwer alleine verspinnen.
Deshalb findet man Kapok häufig in Mischgarnen, beispielsweise zusammen mit Baumwolle.
Solche Garne können interessant sein, wenn ein besonders leichtes Material gewünscht wird.
Ist Polyacryl vegane Wolle?
Grundsätzlich können auch synthetische Garne tierfrei sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- Polyacryl
- Polyester
- Polyamid
Ein Garn aus 100 % Polyacryl enthält zunächst keine Wollfaser und kann damit eine Alternative für Menschen sein, die bewusst auf tierische Fasern verzichten möchten.
Allerdings sollte zwischen den Begriffen vegan und natürlich beziehungsweise pflanzlich unterschieden werden.
Polyacryl ist zwar keine tierische Faser, aber eben auch keine pflanzliche Naturfaser. Es wird synthetisch hergestellt.
Wer gezielt pflanzliche Garne sucht, sollte daher eher nach Baumwolle, Leinen, Hanf oder Garnen auf Cellulosebasis Ausschau halten.
Vegan bedeutet nicht automatisch Naturfaser
Dieser Unterschied ist besonders wichtig.
Ein Garn kann vegan und synthetisch sein.
Genauso kann ein Garn überwiegend pflanzlich sein, aber trotzdem einen kleinen Anteil tierischer Fasern enthalten.
Beispiele:
100 % Baumwolle: tierfrei und pflanzlich
100 % Polyacryl: tierfrei, aber synthetisch
70 % Baumwolle + 30 % Merinowolle: nicht vegan
80 % Viskose + 20 % Seide: nicht vegan
Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die genaue Materialzusammensetzung.
Sind Mischgarne vegan?
Das hängt vollständig von den verwendeten Fasern ab.
Ein Mischgarn aus beispielsweise Baumwolle und Leinen kann tierfrei sein. Gleiches gilt grundsätzlich für Kombinationen aus Baumwolle, Viskose oder Lyocell.
Sobald jedoch Bestandteile wie Schurwolle, Merinowolle, Alpaka, Mohair, Kaschmir oder Seide enthalten sind, handelt es sich nicht mehr um ein vollständig veganes Garn.
Gerade bei Mischgarnen ist die Materialangabe deshalb besonders wichtig.
Ist vegane Wolle genauso warm wie Schurwolle?
Nicht unbedingt.
Schafwolle besitzt eine besondere Faserstruktur und kann viel Luft einschließen. Diese Luftpolster tragen zur guten Wärmeisolierung bei.
Pflanzliche Fasern wie Baumwolle oder Leinen besitzen andere Eigenschaften. Baumwolle kann zwar durchaus für warme Kleidungsstücke verwendet werden, verhält sich aber anders als klassische Schurwolle.
Leinen und viele Cellulosefasern werden sogar besonders gerne für Sommerkleidung eingesetzt.
Wer eine warme vegane Alternative sucht, kann beispielsweise dickere Baumwollgarne, voluminöse Mischgarne oder entsprechende synthetische Garne ausprobieren.
Die Wärmeleistung hängt außerdem nicht nur vom Material ab, sondern auch von:
- Garnstärke
- Garnkonstruktion
- Maschenbild
- Strickmuster
- Dichte des Gestricks
- Konstruktion des Kleidungsstücks
Vorteile veganer Garne
Vegane Garne können je nach Material einige interessante Vorteile bieten.
Große Materialauswahl
Von Baumwolle über Leinen bis hin zu Lyocell gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten.
Interessant für Sommerprojekte
Gerade Baumwolle, Leinen und verschiedene Cellulosefasern eignen sich hervorragend für leichte Strick- und Häkelprojekte.
Unterschiedliche Oberflächen
Vegane Garne können matt, glänzend, rustikal, glatt, flauschig oder seidig wirken. Dadurch entstehen völlig unterschiedliche Maschenbilder.
Alternative für Menschen, die tierische Fasern meiden
Wer aus persönlichen oder ethischen Gründen keine tierischen Fasern verwenden möchte, findet eine große Auswahl an Alternativen.
Gibt es Nachteile gegenüber klassischer Wolle?
Auch hier kommt es stark auf das jeweilige Material an.
Baumwolle besitzt beispielsweise weniger Elastizität als Schurwolle. Leinen kann sich beim Stricken zunächst relativ fest anfühlen. Viskose kann einen starken Fall besitzen, was nicht für jedes Kleidungsstück ideal ist.
Synthetische Fasern haben wiederum andere Eigenschaften hinsichtlich Feuchtigkeit, Haptik und Umweltwirkung.
Es gibt deshalb nicht die eine vegane Faser, die klassische Wolle vollständig ersetzt.
Entscheidend ist vielmehr, welches Garn zum jeweiligen Projekt passt.
Was kann man aus veganer Wolle stricken und häkeln?
Praktisch alles – vorausgesetzt, das Garn besitzt die für das Projekt passenden Eigenschaften.
Besonders beliebt sind vegane Garne für:
✓ Sommertops und Shirts
✓ Pullover und Cardigans
✓ Tücher und Schals
✓ Babybekleidung
✓ Häkeldecken
✓ Amigurumi
✓ Taschen
✓ Topflappen
✓ Wohnaccessoires
✓ leichte Sommerjacken
Bei Kleidungsstücken sollten Sie besonders auf die Maschenprobe achten. Ein Modell, das ursprünglich für elastische Schurwolle entworfen wurde, lässt sich nicht zwangsläufig 1:1 mit Baumwolle ersetzen.
Kann man Schurwolle einfach durch Baumwolle ersetzen?
Das ist möglich, aber nicht immer empfehlenswert.
Selbst wenn beide Garne die gleiche Lauflänge besitzen, können sie sich völlig unterschiedlich verhalten.
Ein Beispiel:
Ein elastisches Merinogarn zieht sich nach dem Dehnen häufig wieder zusammen. Baumwolle besitzt diese Rücksprungkraft wesentlich weniger.
Dadurch können sich Passform, Fall und Größe des fertigen Strickstücks verändern.
Wer ein Garn austauscht, sollte deshalb nicht ausschließlich auf die Lauflänge schauen, sondern zusätzlich auf:
- Maschenprobe
- Garnstärke
- Gewicht
- Elastizität
- Fall
- empfohlene Nadelstärke
- Konstruktion des Modells
Eine eigene Maschenprobe ist beim Garnwechsel besonders wichtig.
Worauf sollte man beim Kauf veganer Wolle achten?
Wenn Sie gezielt tierfreie Garne kaufen möchten, ist die Materialzusammensetzung die wichtigste Information.
Bezeichnungen wie „Cotton“, „Bamboo“ oder „Sommergarn“ reichen allein nicht unbedingt aus, da es sich um Mischgarne handeln kann.
Ein als Baumwollgarn beworbenes Produkt könnte beispielsweise zusätzlich einen Wollanteil enthalten.
Prüfen Sie deshalb die vollständige Zusammensetzung.
Wer darüber hinaus sicherstellen möchte, dass auch bei Verarbeitung, Hilfsstoffen und Produktionsprozessen bestimmte vegane Kriterien eingehalten werden, kann zusätzlich auf entsprechende Herstellerangaben oder Zertifizierungen achten.
Pflanzliche Wolle oder vegane Wolle – was ist der Unterschied?
Der Ausdruck „pflanzliche Wolle“ wird umgangssprachlich gelegentlich verwendet, ist technisch jedoch ebenfalls ungenau.
Besser sind Bezeichnungen wie:
pflanzliche Garne – beispielsweise Baumwolle, Leinen oder Hanf
Garne aus regenerierten Cellulosefasern – beispielsweise Viskose oder Lyocell
synthetische Garne – beispielsweise Polyacryl oder Polyester
tierfreie beziehungsweise vegane Garne – übergeordnete Bezeichnung für Garne ohne tierische Bestandteile
Diese Unterscheidung macht es wesentlich leichter, das passende Material für ein Projekt auszuwählen.
Fazit: Vegane Wolle bietet weit mehr als nur Baumwolle
Der Begriff „vegane Wolle“ bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch Garne ohne tierische Fasern. Dabei gibt es nicht das eine Material, das Schafwolle ersetzt.
Baumwolle ist sicherlich der bekannteste Vertreter, doch auch Leinen, Hanf, Kapok sowie Garne aus Viskose oder Lyocell erweitern die Auswahl erheblich. Hinzu kommen synthetische Fasern wie Polyacryl, Polyester und Polyamid, die ebenfalls ohne tierische Fasern auskommen können.
Welches Garn am besten geeignet ist, hängt vom jeweiligen Projekt ab. Für ein luftiges Sommertop sind andere Eigenschaften gefragt als für einen warmen Winterpullover oder eine robuste Häkeldecke.
Wer bewusst tierfreie Garne verwenden möchte, sollte deshalb weniger nach einem direkten „Wollersatz“ suchen, sondern die verschiedenen Materialien anhand ihrer individuellen Eigenschaften auswählen.
Denn auch ohne Schafwolle steht beim Stricken und Häkeln eine erstaunlich große Welt unterschiedlicher Garne zur Verfügung.