Stricken, Sticken oder Häkeln – welche Wolle eignet sich für welchen Zweck?

Stricken, Sticken oder Häkeln – welche Wolle eignet sich für welchen Zweck?

Wolle ist nicht gleich Wolle. Ein wunderbar weiches Merinogarn, das sich hervorragend für einen Pullover eignet, ist nicht automatisch die beste Wahl für eine Stickerei. Und ein festes Baumwollgarn, mit dem sich Taschen oder Wohnaccessoires häkeln lassen, kann beim Stricken eines kuscheligen Schals völlig anders wirken.

Stricken, Häkeln oder Sticken – die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Eigenschaft 🧶 Stricken 🪝 Häkeln 🪡 Sticken
Typische Garne Merino, Schurwolle, Sockenwolle, Baumwolle, Alpaka, Mohair, Mischgarne Baumwolle, Schurwolle, Merino, Chenille, Mischgarne, Makrameegarne Sticktwist, Perlgarn, Stickgarn, feine Baumwollgarne, teilweise Wollgarne
Garnstärke Von sehr fein (Lace) bis sehr dick (Super Bulky) Von fein bis sehr dick – abhängig vom Projekt Meist fein bis sehr fein; für dekorative Wollstickerei auch dicker
Typische Projekte Pullover, Jacken, Socken, Mützen, Schals, Tücher, Decken Amigurumi, Taschen, Körbe, Decken, Kleidung, Granny Squares, Dekoration Bilder, Schriftzüge, Kreuzstich, Blumen, Verzierungen, textile Dekoration
Besonders geeignet für Kleidung ⭐⭐⭐ Sehr gut ⭐⭐ Gut
Besonders geeignet für Accessoires ⭐⭐⭐ Sehr gut ⭐⭐⭐ Sehr gut ⭐⭐ Je nach Projekt
Besonders geeignet für Dekoration ⭐⭐ Gut ⭐⭐⭐ Sehr gut ⭐⭐⭐ Sehr gut
Maschenprobe wichtig? Ja, besonders bei Kleidung Ja, besonders bei Kleidung und maßhaltigen Projekten Nein, normalerweise nicht
Materialverbrauch Vergleichsweise geringer Häufig höher als beim Stricken Abhängig von Motiv, Stichart und Stichdichte
Struktur des Ergebnisses Meist elastisch, weich und anschmiegsam Häufig kompakter, fester und formstabiler Dekorative Oberfläche auf einem vorhandenen Trägermaterial
Für Anfänger geeignet? Ja Ja Ja
Worauf beim Garn achten? Faser, Garnstärke, Lauflänge, Maschenprobe, Nadelstärke Faser, Stabilität, Garnstärke, Lauflänge, Häkelnadelstärke Teilbarkeit, Garnstärke, Oberfläche, Glanz und Trägermaterial
Typische Nadeln/Werkzeuge Stricknadeln, Rundstricknadeln, Nadelspiel Häkelnadel Sticknadel
Gute Garnwahl für Einsteiger Glattes, mitteldickes Garn mit gut sichtbaren Maschen Glattes Baumwoll- oder Mischgarn Baumwoll-Sticktwist
Besondere Stärke Elastische und angenehm tragbare Textilien Formstabile Strukturen und große Gestaltungsvielfalt Feine Details, Motive und individuelle Verzierungen

Wer das passende Garn für sein Projekt auswählt, sollte deshalb nicht nur auf die Farbe achten. Faser, Garnstärke, Lauflänge, Zwirnung und Oberflächenstruktur entscheiden darüber, wie gut sich ein Garn zum Stricken, Häkeln oder Sticken eignet.

Welche Wolle eignet sich zum Stricken?

Beim Stricken werden aus einem fortlaufenden Faden mit zwei Stricknadeln miteinander verbundene Maschen gebildet. Dadurch entsteht ein vergleichsweise elastisches Gestrick.

Die Auswahl an geeigneten Garnen ist entsprechend groß. Entscheidend ist vor allem, was gestrickt werden soll.

Merinowolle

Merinowolle gehört zu den beliebtesten Fasern für Strickprojekte. Feine Merinowolle fühlt sich angenehm weich an, wärmt und besitzt eine natürliche Elastizität.

Sie eignet sich beispielsweise für:

  • Pullover und Strickjacken
  • Mützen und Schals
  • Tücher
  • Handschuhe
  • Baby- und Kinderkleidung

Wie weich Merinowolle tatsächlich ist, hängt unter anderem von der Feinheit der verwendeten Fasern und der Verarbeitung des Garns ab.

Schurwolle

Schurwolle ist vielseitig und besonders interessant für warme Herbst- und Winterprojekte. Je nach verwendeter Schafrasse und Garnqualität kann sie von sehr weich bis eher robust reichen.

Typische Projekte sind Pullover, Jacken, Mützen, Handschuhe, Westen und warme Accessoires.

Sockenwolle

Für Socken empfiehlt sich ein Garn, das der hohen Beanspruchung standhält. Klassische Sockenwolle besteht deshalb häufig aus einer Mischung aus Schurwolle und einer strapazierfähigen Faser wie Polyamid.

Typische 4-fädige Sockenwolle ist relativ fein, während 6- und 8-fädige Varianten kräftiger ausfallen und sich beispielsweise auch für dickere Socken und andere robuste Strickprojekte eignen.

Baumwolle

Baumwollgarn wärmt weniger als klassische Schurwolle und eignet sich deshalb hervorragend für leichtere Projekte.

Beliebt ist Baumwolle für Sommerpullover, Tops, Babybekleidung, Spültücher und zahlreiche Wohnaccessoires.

Zu beachten ist allerdings, dass reine Baumwolle normalerweise weniger elastisch als Schurwolle ist.

Alpaka, Mohair und andere edle Fasern

Alpaka sorgt für Wärme und einen charakteristischen weichen Griff. Mohair kann einem Strickstück dagegen eine besonders leichte, flauschige Oberfläche verleihen.

Solche Fasern werden sowohl pur als auch in Mischgarnen angeboten. Sehr feine Mohairgarne werden häufig zusammen mit einem zweiten Garn verstrickt.

Welche Wolle eignet sich zum Häkeln?

Grundsätzlich lassen sich viele Strickgarne auch zum Häkeln verwenden. Das Ergebnis unterscheidet sich jedoch deutlich.

Gehäkelte Maschen benötigen häufig mehr Garn und ergeben meist eine festere Struktur als vergleichbare Strickmaschen. Deshalb spielen Formstabilität und Oberflächenstruktur beim Häkeln eine besonders wichtige Rolle.

Baumwolle – der Klassiker zum Häkeln

Baumwolle gehört zu den vielseitigsten Häkelgarnen.

Sie eignet sich hervorragend für:

  • Amigurumi
  • Topflappen
  • Taschen
  • Körbe
  • Dekorationen
  • Sommerbekleidung
  • Babyprojekte
  • Wohnaccessoires

Besonders bei Amigurumi ist ein gleichmäßiges und relativ festes Maschenbild erwünscht. Ein glattes Baumwollgarn erleichtert außerdem das Erkennen der einzelnen Maschen.

Chenille- und Flauschgarne

Chenillegarne werden gerne für besonders weiche Amigurumi, Kuscheltiere, Kissen und Decken verwendet.

Die flauschige Oberfläche fühlt sich angenehm an, kann das Häkeln jedoch anspruchsvoller machen, weil einzelne Maschen schlechter sichtbar sind.

Makramee- und robuste Baumwollgarne

Für Taschen, Körbe und dekorative Projekte werden häufig dickere Baumwollgarne, Kordeln oder spezielle Makrameegarne verwendet.

Hier steht weniger die Weichheit als vielmehr die Formstabilität im Vordergrund.

Wolle und Mischgarne

Natürlich lässt sich auch klassische Wolle hervorragend häkeln. Mützen, Schals, Decken, Granny Squares oder Kleidungsstücke können beispielsweise aus Schurwolle, Merinowolle oder verschiedenen Mischgarnen gearbeitet werden.

Welche Wolle eignet sich zum Sticken?

Beim Sticken gelten andere Anforderungen als beim Stricken oder Häkeln.

Hier wird das Garn nicht zu einem eigenen textilen Gewebe verarbeitet, sondern durch einen vorhandenen Stoff oder ein anderes Trägermaterial geführt. Deshalb werden normalerweise wesentlich feinere Garne verwendet.

Sticktwist

Der klassische Sticktwist besteht häufig aus Baumwolle und setzt sich aus mehreren einzelnen Fäden zusammen.

Je nach gewünschtem Effekt können unterschiedlich viele dieser Fäden verwendet werden. Dadurch lassen sich sehr feine Details ebenso wie kräftigere Sticklinien gestalten.

Sticktwist eignet sich unter anderem für:

  • Kreuzstich
  • Motivstickerei
  • Schriftzüge
  • Blumenmotive
  • Verzierungen
  • dekorative Handarbeiten

Perlgarn

Perlgarn ist stärker gedreht und wird üblicherweise nicht in einzelne Fäden geteilt. Es erzeugt dadurch deutlich sichtbare, dekorative Stiche.

Es eignet sich beispielsweise für Konturen, dekorative Muster und plastisch wirkende Stickereien.

Kann man mit Strickwolle sticken?

Ja. Besonders bei gröberen Stoffen und dekorativen Arbeiten kann auch Strickwolle zum Sticken eingesetzt werden.

Dickere Wollgarne können interessante dreidimensionale Effekte erzeugen und eignen sich beispielsweise für grobe Stoffe, Strickstücke oder andere textile Dekorationen.

Für sehr feine Stickereien sind klassische Strickgarne dagegen meist zu dick.

Garnstärke und Lauflänge beachten

Neben der Faser ist die Garnstärke entscheidend.

Als Orientierung gilt: Je höher die Lauflänge bei gleichem Gewicht, desto feiner ist normalerweise das Garn.

Ein Garn mit 100 g und 100 m Lauflänge ist beispielsweise wesentlich dicker als ein Garn mit 100 g und 400 m Lauflänge.

Internationale Garnstärken wie Lace, Fingering, Sport, DK, Worsted, Bulky oder Super Bulky erleichtern zusätzlich die Einordnung verschiedener Garne.

Entscheidend bleibt jedoch immer die Empfehlung für das konkrete Projekt.

Die Maschenprobe ist wichtiger als der Garnname

Besonders beim Stricken und Häkeln von Kleidungsstücken sollte die Maschenprobe nicht übersprungen werden.

Zwei Garne mit ähnlicher Lauflänge können aufgrund ihrer Faserzusammensetzung und Konstruktion unterschiedlich ausfallen. Auch die persönliche Arbeitsweise beeinflusst das Ergebnis.

Wer besonders locker oder fest arbeitet, erreicht mit derselben Nadelstärke möglicherweise eine völlig andere Maschenzahl.

Deshalb gilt: Soll ein Kleidungsstück später richtig passen, ist die Maschenprobe wichtiger als die reine Garnbezeichnung.

Zurück zum Blog