Schrägstricken: Diagonale Formen gezielt aufbauen
Diesen Artikel mit Freunden teilen
Beim Schrägstricken wächst der Stoff nicht nur gerade von der Anschlagkante nach oben. Durch regelmäßig verteilte Zu- und Abnahmen verschiebt sich die Form seitlich oder wächst von einer Spitze aus. Dadurch verlaufen Maschenreihen, Rippen oder Farbstreifen diagonal zu den späteren Außenkanten – ein starker Effekt, der oft mit erstaunlich einfachen Grundmaschen entsteht.
Was bedeutet Schrägstricken?
Schrägstricken bezeichnet eine Konstruktion, keine einzelne Maschenart. Du kannst kraus rechts, glatt rechts oder in einem passenden Strukturmuster arbeiten. Die Diagonale entsteht durch die Formgebung:
- Zunahmen an beiden Seiten lassen ein Dreieck oder eine Raute wachsen.
- Zunahme an einer und Abnahme an der anderen Seite verschieben ein gleich breites Stück seitlich.
- Abnahmen an beiden Seiten führen eine breite Fläche zu einer Spitze.
Im Englischen wird dafür oft bias knitting verwendet. Das Ergebnis erinnert an schräg zugeschnittenen Stoff, entsteht hier aber direkt auf der Nadel.
Das Prinzip der Maschenbilanz
Betrachte jede Formgebungsreihe als kleine Rechnung. Zwei Zunahmen bedeuten zwei Maschen mehr. Eine Zunahme plus eine Abnahme hält die Gesamtzahl gleich, verschiebt jedoch die Kanten. Zwei Abnahmen reduzieren die Breite. Notiere die Maschenzahl nach jedem Formabschnitt.

Vom Punkt zur Raute
Für eine einfache kraus rechte Raute startest Du mit wenigen Maschen. In regelmäßigen Hinreihen nimmst Du an beiden Seiten zu, bis die gewünschte breiteste Stelle erreicht ist. Danach arbeitest Du spiegelbildlich Abnahmen, bis wieder wenige Maschen übrig sind. Die genaue Platzierung bestimmt, ob eine sichtbare Randlinie entsteht.
- Kleine Maschenzahl anschlagen.
- Randmaschen definieren und markieren.
- Beidseitig im gleichen Rhythmus zunehmen.
- Breite und Seitenlänge prüfen.
- Im gleichen Rhythmus beidseitig abnehmen.
Ein schräges Rechteck oder Parallelogramm
Soll die Breite konstant bleiben, nimmst Du an einer Kante eine Masche zu und an der anderen eine ab. Werden diese Änderungen in gleichem Rhythmus gearbeitet, bleibt die Maschenzahl gleich, während beide Seiten schräg wandern. Wechselst Du später die Richtung, entsteht ein Zickzack oder Winkel.

Welche Zu- und Abnahmen?
Ein Umschlag erzeugt ein sichtbares Loch und passt zu luftigen Tüchern. Eine herausgestrickte oder aus dem Querfaden gebildete Zunahme wirkt geschlossener. Rechts- und links geneigte Abnahmen können die Diagonale optisch unterstützen. Entscheidend ist, ob die Formgebung dekorativ sichtbar oder möglichst unauffällig sein soll.
Lies in der Anleitung genau, auf welcher Seite und in welchem Abstand zum Rand gearbeitet wird. Wenn Du Techniken ersetzt, kann sich die Kantenlinie verändern.
Farbwirkung auf der Diagonale
Arbeitest Du gerade Farbblöcke oder Streifen in einem schräg wachsenden Teil, treffen sie diagonal auf die Außenkante. Kurze Farbwechsel wirken dynamisch, breite Streifen ruhiger. Bei selbststreifendem Garn hängt das Ergebnis zusätzlich von der wechselnden Maschenzahl ab.

Muster richtig wählen
Kraus rechts ist dankbar, weil es beidseitig aussieht, flach liegt und Reihen gut erkennen lässt. Glatt rechts rollt an den Kanten und braucht eine Blende oder spätere Ausarbeitung. Komplexe Rapporte sind möglich, müssen aber mit der wechselnden Maschenzahl harmonieren. Eine Strickschrift zeigt, wie Randmaschen in das Muster einbezogen werden.
Maße: Diagonale ist nicht Breite
Miss nicht nur entlang der schrägen Kante. Für einen Schal zählen senkrechte Breite und gesamte Länge; für Quadrate oder Decken müssen auch Winkel und Diagonalen stimmen. Lege das Werkstück ohne Zug auf eine ebene Fläche. Eine gewaschene Maschenprobe zeigt, ob sich die Form nach der Entspannung verzieht.
Kanten und Zusammensetzen
Schräg verlaufende Kanten können elastischer wirken als gerade. Arbeite Randmaschen gleichmäßig und ziehe beim Vernähen nicht einseitig. Sollen mehrere Rauten zusammengesetzt werden, blocke sie zunächst auf dasselbe Maß. Hinweise liefert Strick- und Häkelstücke ausarbeiten.
Geeignete Projekte
- Schals mit diagonalen Streifen
- Dreiecks- und asymmetrische Tücher
- Rauten für Patchworkdecken
- Topflappen und Waschlappen aus einer Spitze
- Seitlich verschobene Vorderteile oder dekorative Einsätze
Mehr über Tuchformen erfährst Du im Beitrag Dreieckstuch stricken.
Typische Fehler
- Maschenzahl wandert: Zu- und Abnahmen nach jeder Formreihe kontrollieren.
- Raute wird unsymmetrisch: Zunahme- und Abnahmephase mit gleicher Frequenz arbeiten.
- Kanten sind unruhig: Formgebung immer im selben Abstand zur Randmasche setzen.
- Streifenbreite überrascht: Veränderung der Reihenlänge einplanen.
- Teil verzieht sich: Musterprobe waschen und liegend in Form bringen.
Fazit
Schrägstricken ist kontrollierte Geometrie mit Maschen. Wenn Du die Bilanz aus Zu- und Abnahmen verstehst, kannst Du Dreiecke, Rauten und verschobene Rechtecke gezielt aufbauen. Zähle konsequent, markiere die Formkanten und beurteile Maße nach dem Waschen – dann bleibt die Diagonale ein Gestaltungsmittel und wird nicht zum Zufall.
© 2026 by POHL-HG