Rückreihe beim Stricken: Vorderseite und Muster sicher lesen

Rückreihe beim Stricken: Vorderseite und Muster sicher lesen

Beim Stricken in Reihen bewegst Du Dich nicht endlos in dieselbe Richtung. Nach einer Hinreihe wendest Du die Arbeit und strickst zurück – daher der Name Rückreihe. Welche Maschen dort entstehen, ist keineswegs immer gleich: Bei glatt rechts werden häufig linke Maschen gearbeitet, bei kraus rechts rechte, und bei komplexen Mustern entscheidet die Anleitung.

Was ist eine Rückreihe?

Hin- und Rückreihe beschreiben zunächst die Arbeitsrichtung beim flachen Stricken. Nach dem Wenden führt die Rückreihe zur anderen Seitenkante zurück. Sie ist nicht automatisch die „falsche“ oder unwichtige Reihe. Manche Designs zeigen ihre Schauseite gerade in einer Rückreihe, und reversible Muster besitzen kaum eine eindeutige Rückseite.

Die Begriffe „rechte Seite“ und „linke Seite“ meinen dagegen die spätere Außen- und Innenseite des Werkstücks. In englischen Anleitungen stehen dafür häufig RS und WS. Die Zuordnung muss aus der Anleitung kommen.

Flach gestrickte helle Maschenprobe liegt für die nächste Rückreihe auf einer Holznadel
Nach dem Wenden liegt die Arbeit bereit, um in Gegenrichtung weitergestrickt zu werden.

Glatt rechts als einfaches Beispiel

Bei klassischem glatt rechts in Reihen wird eine Reihe rechts und die folgende Reihe links gestrickt. Dadurch liegen auf der Schauseite die V-förmigen rechten Maschen und auf der Gegenseite die Querbögen der linken Maschen. Häufig ist die rechte Reihe die Hinreihe und die linke Reihe die Rückreihe – aber die Konstruktion kann auch anders beginnen.

Maschen stricken, wie sie erscheinen

Diese Formulierung bezieht sich auf die Seite, die gerade zu Dir zeigt. Siehst Du ein V, wird die Masche rechts gearbeitet; erkennst Du einen Querbogen, wird sie links gearbeitet. Das ist besonders bei Rippen wichtig. Du wiederholst nicht blind dieselbe Wortfolge, sondern erhältst die bestehenden Maschensäulen.

Nadelspitzen arbeiten am Beginn einer flach gestrickten Rückreihe
Die konkrete Maschenart der Rückreihe richtet sich nach Muster und sichtbarer Maschenstruktur.

Strickschriften richtig lesen

Viele Strickschriften werden in Hinreihen von rechts nach links und in Rückreihen von links nach rechts gelesen. Das ist eine verbreitete Konvention, aber keine universelle Garantie. Manche Charts zeigen nur die Hinreihen und erklären Rückreihen separat; andere stellen Symbole so dar, wie sie auf der Vorderseite erscheinen.

Lies deshalb zuerst die Legende. Die Beiträge Strickschriften lesen und Diagramme in Runden und Reihen richtig lesen helfen beim sicheren Einstieg.

Reihe zählen: Hin und zurück sind zwei

Eine Hinreihe und eine Rückreihe zählen beim normalen Stricken als zwei Reihen. Wer beide zusammen als eine Einheit notiert, landet bei Längen- und Musterangaben schnell daneben. Setze einen Reihenzähler erst weiter, wenn eine komplette Reihe gearbeitet wurde, und lege beim Unterbrechen einen Marker auf der zuletzt beendeten Seite ein.

Gefaltete salbeigrüne Maschenprobe zeigt Vorderseite und Rückseite eines Strickstücks
Vorder- und Rückseite zeigen unterschiedliche Maschenbilder, gehören aber zum selben Stoff.

Randmaschen in Rückreihen

Randmaschen werden ebenfalls nach Anleitung gearbeitet. Ein Knötchenrand, Kettrand oder kraus rechter Rand kann in Hin- und Rückreihen unterschiedliche Handgriffe verlangen. Gleichmäßige Kanten erleichtern später das Zusammennähen und Aufnehmen. Details findest Du unter Randmaschen stricken.

Zu- und Abnahmen spiegeln

Formgebung in Rückreihen muss von der aktuell sichtbaren Stoffseite beurteilt werden. Eine Abnahme, die technisch auf der Rückseite gearbeitet wird, kann auf der Vorderseite in die andere Richtung wirken als erwartet. Verlasse Dich auf die angegebene Methode und kontrolliere nach wenigen Reihen die sichtbare Linie.

Typische Fehler

  • Falsche Seite bearbeitet: einen Markierer an die spätere Vorderseite setzen.
  • Rippen versetzt: Maschenbild statt nur die vorherige Wortfolge lesen.
  • Chart falsch herum: Leserichtung jeder Zeile und Legende prüfen.
  • Reihen falsch gezählt: jede Hin- und jede Rückreihe einzeln zählen.
  • Wendestelle locker: erste Maschen ruhig und gleichmäßig arbeiten, nicht ruckartig festziehen.

Maschenprobe als Lesetraining

Stricke eine kleine Probe mit Vorder- und Rückseite, markiere die Hinreihenseite und notiere jede Reihe. Nach dem Waschen kannst Du nicht nur die Maße prüfen, sondern auch beobachten, wie deutlich das Muster auf beiden Seiten erscheint. Mehr dazu steht im Beitrag über die Maschenprobe.

Fazit

Die Rückreihe ist die zweite Hälfte des flachen Strickrhythmus – nicht automatisch links, falsch oder nebensächlich. Wenn Du Vorderseite, Maschenbild und Leserichtung getrennt denkst, bleiben Muster und Reihenzahl zuverlässig auf Kurs.

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