Raglanpullover von oben stricken: Aufbau, Passform und Vorteile

Raglanpullover von oben stricken: Aufbau, Passform und Vorteile

Ein Raglanpullover von oben – kurz RVO – wächst vom Halsausschnitt bis zum Saum fast wie von selbst. Du kannst früh anprobieren, Körper und Ärmel verlängern und Dein Garn sehr bewusst ausnutzen. Ganz ohne Planung geht es trotzdem nicht: Halsform, Zunahmetempo und die Verteilung zwischen Körper und Ärmeln entscheiden über eine wirklich gute Passform.

So ist ein Top-down-Raglan aufgebaut

Du beginnst am Halsausschnitt und teilst die Maschen in Rückenteil, zwei Ärmel und Vorderteil. Dazwischen liegen vier Raglanlinien. Durch Zunahmen beidseits dieser Linien wächst die Passe. Sobald Brustweite und Oberarmumfang erreicht sind, werden die Ärmelmaschen stillgelegt und neue Maschen für die Achsel angeschlagen.

Danach strickst Du den Körper in Runden bis zum Saum. Die Ärmel werden später aufgenommen und ebenfalls in Runden gearbeitet. Nähte entfallen weitgehend, kleine Löcher an den Achseln müssen aber sorgfältig geschlossen werden.

  1. Halsblende anschlagen
  2. Maschen auf vier Bereiche verteilen
  3. Nacken mit verkürzten Reihen formen
  4. Raglanzunahmen arbeiten
  5. Körper und Ärmel teilen
  6. Rumpf und Ärmel fertigstellen
Halsausschnitt eines Top-down-Pullovers mit markierter Nackenformung
Verkürzte Reihen können den hinteren Halsausschnitt anheben und den Pullover vorn angenehmer sitzen lassen.

Raglantiefe ist nicht gleich Brustweite

Die übliche Zunahme in jeder zweiten Runde verbreitert jeden Ärmel um zwei und den Körper insgesamt um vier Maschen. Dieses feste Verhältnis passt nicht automatisch zu jedem Körper. Wer mehr Brustweite, aber schmalere Oberarme braucht, kann Körperzunahmen ergänzen oder Ärmelzunahmen früher beenden.

Miss Raglantiefe, Brustumfang und Oberarm getrennt. Eine zu lange Passe hängt unter den Armen, eine zu kurze schneidet ein. Achselmaschen schaffen zusätzliche Weite und Bewegungsraum, ersetzen aber keine passende Passe.

Kontrolle Zu klein Zu groß
Halsausschnitt zieht oder steht hoch rutscht über die Schulter
Raglantiefe spannt in der Achsel bildet Stofftaschen
Oberarm Maschen werden gedehnt Ärmel wirken sackig
Brust Querfalten zu viel Volumen
Vier Raglanlinien mit paarweisen Zunahmen an einer Pulloverpasse
Zunahmen beidseits der vier Raglanlinien verbreitern Körper und Ärmel gleichzeitig.

Anprobe und gewaschene Maschenprobe

Der große Vorteil ist die Anprobe während des Strickens. Lege dafür genug Maschen auf ein langes Seil oder mehrere Hilfsfäden, damit die Passe nicht künstlich zusammengezogen wird. Prüfe Halsausschnitt, Schulterlinie, Achsel und Oberarm – nicht nur den Brustumfang.

Die Maschenprobe muss gewaschen sein. Superwash-Merino kann wachsen, Alpaka nach unten ziehen und Baumwolle die Passe schwerer machen. Rechne Maschen und Reihen: Die Reihenprobe bestimmt, wie tief die Passe bis zur gewünschten Weite wird.

Top-down-Pullover nach der Teilung von Körper und stillgelegten Ärmeln
Nach der Teilung wächst zuerst der Körper weiter, während die Ärmelmaschen auf Hilfsfäden warten.

Garn, Muster und Nadelwahl

Elastische Wollgarne unterstützen die Form. Alpaka oder Seide geben schönen Fall, können einen nahtlosen Pullover aber stärker nach unten ziehen. Flauschige Beilaufgarne verzeihen kleine Unregelmäßigkeiten, erschweren jedoch das Ribbeln.

Komplexes Colorwork oder starke Zöpfe verändern Breite und Dehnung. Stricke die Probe im Hauptmuster. Eine lange Rundstricknadel mit glatten Übergängen trägt die wachsende Passe; für kleine Ärmelrunden eignen sich Magic Loop oder Nadelspiel.

Typische Fehler und gute Lösungen

Ein hochrutschender Vorderhals entsteht oft ohne ausreichende Nackenformung. Falten unter den Armen deuten auf falsche Raglantiefe oder zu viele Achselmaschen. Löcher an den Achselecken lassen sich durch zusätzliche aufgenommene Maschen schließen, die Du in der nächsten Runde wieder abnimmst.

Notiere alle Anpassungen für den zweiten Ärmel. Wenn die Passe trotz korrekter Maschenzahl nicht sitzt, ist weiteres Stricken selten die Lösung. Eine frühe Anprobe spart viele Ribbit-Runden und kostbares Garn.

Tipp aus dem Strickkorb: Fotografiere die Passe bei jeder Anprobe von vorn, hinten und seitlich. Auf dem Bild erkennst Du Zugfalten und eine verschobene Halslinie oft schneller als im Spiegel.

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Fazit

Der RVO ist flexibel, anprobierbar und nahezu nahtlos – seine feste Raglanlogik braucht aber individuelle Kontrolle. Wenn Du Halsform, Raglantiefe, Brust und Oberarm getrennt betrachtest, wird aus vier Zunahmelinien ein Pullover, der maschengenau zu Dir passt.

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