Raglan von oben stricken: RVO Schritt für Schritt planen

Raglan von oben stricken: RVO Schritt für Schritt planen

RVO steht für „Raglan von oben“. Du beginnst am Halsausschnitt und strickst die Passe in Runden nach unten. Entlang von vier Raglanlinien wächst die Maschenzahl, bis Vorderteil, Rückenteil und Ärmel getrennt werden. Diese Bauweise ist beliebt, weil kaum Nähte nötig sind und sich Länge sowie Weite während des Strickens prüfen lassen.

Die vier Bereiche verstehen

Die angeschlagenen Maschen werden in Rückenteil, ersten Ärmel, Vorderteil und zweiten Ärmel aufgeteilt. Dazwischen liegen vier markierte Raglanbereiche. In einer klassischen Zunahmerunde entsteht vor und nach jeder Linie je eine neue Masche – häufig also acht neue Maschen insgesamt. Eine Anleitung kann davon bewusst abweichen, etwa um Ärmel und Körper unterschiedlich schnell wachsen zu lassen.

RVO beginnt am Halsausschnitt mit vier markierten Raglanbereichen
Vier Markierer teilen den Halsanschlag in Körper, Ärmel und Raglanbereiche.

1. Halsweite und Anschlag

Der Ausschnitt muss über den Kopf passen und zur gewünschten Form passen. Ein enger Rundhals braucht eine andere Startmaschenzahl als ein weiter U-Boot-Ausschnitt. Berücksichtige außerdem das spätere Bündchen: Wird es direkt mitgestrickt oder nachträglich aus der Kante aufgenommen?

Für kleine Umfänge kannst Du mit einem kurzen Seil, Nadelspiel oder der Magic-Loop-Methode starten. In der Auswahl an Rundstricknadeln findest Du verschiedene Längen und Materialien.

2. Rückenhöhe einbauen

Ohne zusätzliche Höhe am Rücken kann ein rund gestrickter Halsausschnitt vorn hochziehen. Verkürzte Reihen heben den Nacken an und senken den vorderen Ausschnitt relativ ab. Wo sie liegen und wie viele nötig sind, hängt von Anleitung, Größe und gewünschtem Sitz ab. Setze sie nicht pauschal ein, sondern orientiere Dich an der Konstruktion.

3. Die Passe wachsen lassen

Arbeite die Zunahmen im vorgesehenen Rhythmus und zähle regelmäßig. Rechts- und linksgeneigte Zunahmen können die Linien optisch rahmen; Umschläge erzeugen sichtbare Löcher. Für die Passform zählt jedoch nicht nur die Zahl der Zunahmerunden, sondern auch die Reihenhöhe. Eine gewaschene Maschenprobe ist daher unverzichtbar.

Top-down-Raglanpasse wächst durch Zunahmen in vier Bereichen
Die Passe wird breiter, während vier deutlich markierte Linien ihre Bereiche ordnen.

4. Anprobe richtig deuten

Schiebe die Maschen auf ein langes Seil oder eine Hilfsschnur und prüfe Hals, Schulter, Brust und Oberarm. Die Passe soll bis zur Achsel reichen, ohne tief darunter zu hängen. Achte auf Zugfalten vom Hals zur Achsel und auf überschüssigen Stoff. Ein RVO lässt sich gut anprobieren, aber eine Anprobe ersetzt nicht die Zielmaße.

5. Körper und Ärmel trennen

Lege die Ärmelmaschen still und stricke Vorder- und Rückenteil zusammen weiter. Unter jeder Achsel werden meist einige Maschen neu angeschlagen. Sie schaffen Bewegungsraum und schließen die Lücke zwischen Körper und Ärmel. Beim späteren Aufnehmen der Ärmel können an den Übergängen kleine Löcher entstehen; zusätzliche aufgenommene Maschen helfen, diese sauber zu schließen und werden in den ersten Runden wieder reduziert.

Körper- und Ärmelmaschen werden beim RVO an der Achsel getrennt
Nach der Trennung ruht der Ärmel auf einem Hilfsfaden, während der Körper weitergestrickt wird.

Passform gezielt anpassen

  • Mehr Brustweite: Körperzunahmen fortsetzen, auch wenn die Ärmel bereits genug Weite haben.
  • Mehr Oberarmweite: zusätzliche Zunahmen nur in den Ärmelbereichen verteilen.
  • Weniger Stoff unter der Achsel: Raglantiefe prüfen und nicht allein nach Brustumfang stricken.
  • Besserer Nackensitz: Rückenhöhe und Ausschnittform gemeinsam betrachten.
  • Längere Ärmel oder Körper: Top-down bequem bis zum Wunschmaß weiterarbeiten.

Typische RVO-Fehler

  • Die Startaufteilung passt rechnerisch, aber nicht zu Hals und Schulter.
  • Alle acht Zunahmen werden automatisch gearbeitet, obwohl einzelne Bereiche ihre Zielweite schon erreicht haben.
  • Die Passe wird nur flach gemessen und dabei gedehnt.
  • Die Achselmaschen fehlen oder sind zu knapp.
  • Ärmel werden später mit einer anderen Fadenspannung gestrickt.

Wähle ein Garn, dessen Fall und Elastizität zur Konstruktion passen. Die Woll- und Garnauswahl bietet dafür unterschiedliche Fasern und Stärken.

Fazit

RVO ist flexibel, aber nicht völlig automatisch. Plane Halsweite, Rückenhöhe, Zielumfänge und Raglantiefe vorab. Kontrolliere Körper und Ärmel getrennt und probiere die Passe ohne Dehnen an. So nutzt Du den großen Vorteil der Top-down-Konstruktion: anpassen, solange noch alle Wege offen sind.

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