Querfaden beim Stricken: Erkennen und sauber zunehmen

Querfaden beim Stricken: Erkennen und sauber zunehmen

Zwischen zwei Maschen liegt ein unscheinbarer kleiner Steg: der Querfaden. Hebst Du ihn auf die Nadel und strickst ihn ab, entsteht eine neue Masche. Diese Zunahme lässt sich fast unsichtbar schließen oder bewusst als Loch gestalten – und sie kann sich nach links oder rechts neigen.

Übe mit glattem, hellem Garn aus der Wollauswahl und gut sichtbaren Nadelspitzen. So erkennst Du die Fadenführung, ohne das Garn zu teilen.

Wo liegt der Querfaden?

Der Querfaden ist der waagerechte Fadenabschnitt zwischen der zuletzt gestrickten und der nächsten Masche, eine Reihe unterhalb der Nadeln. Er ist weder das vordere Maschenbein noch ein frei gelegter Umschlag. Ziehst Du die Nadeln leicht auseinander, wird der kleine Steg sichtbar.

Horizontaler Querfaden zwischen zwei lebenden Strickmaschen
Der waagerechte Steg zwischen zwei Maschen ist der Querfaden.

Geschlossene Zunahme nach links: M1L

  1. Hebe den Querfaden mit der linken Nadel von vorn nach hinten auf.
  2. Auf der linken Nadel liegt nun eine neue Schlinge.
  3. Stricke sie rechts durch das hintere Maschenglied ab.

Durch das verschränkte Abstricken schließt sich die Öffnung. Die neue Masche neigt sich optisch nach links. In englischen Anleitungen steht dafür häufig make one left oder M1L.

Geschlossene Zunahme nach rechts: M1R

  1. Hebe den Querfaden mit der linken Nadel von hinten nach vorn auf.
  2. Stricke die neue Schlinge rechts durch das vordere Maschenglied ab.

Auch hier wird der Querfaden verdreht und das Loch geschlossen; die Zunahme neigt sich nach rechts. Manche Anleitungen definieren ihre Abkürzungen anders. Die Legende des konkreten Musters ist daher immer maßgeblich.

Linke Stricknadel hebt den Querfaden in korrekter Richtung an
Die Aufnahmerichtung entscheidet, welches Maschenglied anschließend verschränkt abgestrickt wird.

Wann entsteht ein Loch?

Wird der angehobene Querfaden nicht verschränkt, bleibt eine Öffnung. Das kann ein Fehler sein – oder genau der gewünschte Effekt in einem Lochmuster. Entscheidend ist die Anleitung. Ziehe den Faden nicht gewaltsam fest: Eine geschlossene Zunahme darf sichtbar sein, soll den Stoff aber nicht zusammenraffen.

Spannung und Nadelwahl

Sehr feste Strickerinnen erreichen den Querfaden leichter mit einer spitzen Metallnadel, während griffiges Holz das Abrutschen verhindert. Unser Vergleich Bambus oder Metall hilft bei der Auswahl. Arbeite die Nachbarmaschen auf dem vollen Nadelschaft, damit ihre Größe gleichmäßig bleibt.

Verschränkt abgestrickter Querfaden bildet eine geschlossene Zunahme
Nach dem verschränkten Abstricken sitzt die neue Masche geschlossen zwischen ihren Nachbarn.

Häufige Fehler

  • Großes Loch: Der Querfaden wurde offen statt verschränkt abgestrickt.
  • Falsche Neigung: Aufnahme- und Abstrickrichtung vertauscht.
  • Geteiltes Garn: Nadelspitze durch den Faden statt darunter geführt.
  • Harte Stelle: Nachbarmaschen oder Zunahme zu fest angezogen.
  • Versetzte Formlinie: Zunahme nicht an der markierten Stelle gearbeitet.

Maschenprobe für Form und Symmetrie

Arbeite M1L und M1R spiegelbildlich in einer kleinen Maschenprobe. Nach dem Waschen siehst Du, wie deutlich die Neigung im gewählten Garn bleibt. Flausch kann die Linie mildern, glatte Baumwolle oder stark verzwirnte Wolle zeigt sie klar.

Fazit

Der Querfaden ist klein, aber konstruktiv wichtig. Wenn Du ihn sicher erkennst, passend aufnimmst und verschränkt abstrickst, entstehen kontrollierte Zunahmen für Raglanlinien, Tücher, Ärmel und viele andere Formen.

© 2026 by POHL-HG

Zurück zum Blog