Positive und negative Mehrweite: So sitzt Strickkleidung richtig
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Warum sitzt derselbe Pullover an zwei Menschen völlig anders? Neben Körperform und Garn entscheidet die Mehrweite – auf Englisch ease. Sie beschreibt die Differenz zwischen Deinem Körperumfang und dem fertigen Kleidungsstück. Positiv bedeutet weiter, negativ bedeutet kleiner als der Körper und damit gedehnt getragen.
Mehrweite in Zentimetern berechnen
Mehrweite = fertiger Kleidungsumfang − Körperumfang
Bei 96 cm Brustumfang und 106 cm Pulloverumfang beträgt die positive Mehrweite 10 cm. In Prozent:
Mehrweite in % = Mehrweite ÷ Körperumfang × 100
10 ÷ 96 × 100 ergibt rund 10,4 Prozent. Ein Pullover mit 90 cm Fertigumfang hätte bei demselben Körpermaß −6 cm beziehungsweise etwa −6,3 Prozent Mehrweite.

Negative, neutrale und positive Mehrweite
- Negative Mehrweite: Das Stück ist kleiner als der Körper. Typisch für Socken, Mützen, Ripptops oder eng anliegende Oberteile.
- Keine oder geringe Mehrweite: Fertig- und Körpermaß sind ähnlich. Das ergibt eine klare, eher körpernahe Silhouette.
- Positive Mehrweite: Das Stück ist größer als der Körper. Einige Zentimeter wirken klassisch entspannt, viel Mehrweite erzeugt Oversize.

Welche Mehrweite ist richtig?
Die Designerempfehlung ist der beste Ausgangspunkt. Sie berücksichtigt Konstruktion und gewünschte Optik. Als grobe Orientierung – nicht als starre Norm – können körpernahe Oberteile leicht negative bis geringe positive Mehrweite haben, klassische Pullover oft etwa 5 bis 10 cm, entspannte Modelle deutlich mehr.
Schau außerdem auf das fertige Brustmaß jeder Größe. Wähle nicht automatisch die Zahl, die Deiner üblichen Konfektionsgröße entspricht.
Faser, Muster und Gewicht verändern den Sitz
- Wolle und Merino: meist elastisch und rücksprungkräftig.
- Alpaka: warm und fließend, kann sich aushängen; starke negative Mehrweite hält weniger stabil.
- Baumwolle und Leinen: wenig elastisch und oft schwerer; Bewegungsweite bewusster planen.
- Mohair: gibt optisch Volumen, obwohl der Grundstoff leicht sein kann.
- Rippen: dehnen sich stark; Zöpfe ziehen den Stoff zusammen; mehrfarbige Muster können weniger nachgiebig sein.

Mehrweite an der richtigen Stelle lesen
Bei sehr weiten Fledermaus- oder Drop-Shoulder-Konstruktionen ist der Brustumfang nicht die einzige Kennzahl. Prüfe Schulterbreite, Oberarmweite, Armlochtiefe und Länge. Ein Modell kann am Körper großzügig und am Ärmel trotzdem knapp sein.
Typische Fehler
Häufig wird das Körpermaß mit dem Fertigmaß verwechselt, eine ungewaschene Probe verwendet oder das Garn ausgetauscht, ohne den Fall zu prüfen. Auch „Oversize“ bedeutet nicht automatisch, mehrere Größen größer zu stricken: Dann wachsen Ausschnitt, Schulter und Armloch oft an den falschen Stellen mit.
Für verlässliche Maße hilft eine gewaschene Maschenprobe. Hinweise zur Materialwahl gibt Welches Garn für welches Projekt?; passende Garne findest Du in unserer Wollkollektion.
Fazit
Mehrweite ist die Sprache der Passform. Berechne die Differenz zwischen Körper- und Fertigmaß, prüfe Konstruktion sowie Garn und vergleiche mit einem Lieblingsstück. Dann wählst Du nicht irgendeine Größe, sondern genau die Silhouette, in der Du Dich wohlfühlst.
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