Linksneigung beim Stricken: Abnahmen und Zunahmen verstehen

Linksneigung beim Stricken: Abnahmen und Zunahmen verstehen

Linksneigung klingt zunächst ein wenig technisch, ist aber ein wunderbar sichtbares Gestaltungswerkzeug. Eine Abnahme kann sich nach links oder rechts legen, eine Zunahme kann auf derselben Seite eine ruhige Linie bilden – und plötzlich bekommt ein Raglan, ein Lace-Blatt oder eine Sockenspitze eine klare Richtung. Wenn Du die Maschenschenkel lesen kannst, wird aus dem Kürzel eine logisch nachvollziehbare Bewegung.

Was bedeutet Linksneigung?

Von Linksneigung spricht man, wenn eine Abnahme oder Zunahme im fertigen Gestrick optisch nach links weist. Bei einer Abnahme liegt die linke beziehungsweise zuerst sichtbare Masche oben und bildet eine schräge Linie. Bei Zunahmen beschreibt die Neigung, wie sich die neue Masche aus dem Querfaden herauslegt.

Die Neigung ist nicht bloß Dekoration. Gegengleiche Linien formen Armausschnitte, Raglanachsen, Spitzen und Lochmuster. In rein funktionalen Bereichen kann die Richtung weniger auffallen, bei glattem Garn und ruhigen Farben ist sie maschengenau sichtbar.

Technik Wirkung Typische Abkürzung
zwei überzogen zusammen linksgeneigte Abnahme 2 übz. zus.
SSK linksgeneigte Abnahme slip slip knit
zwei rechts zusammen rechtsgeneigte Abnahme 2 re zus.
Zunahme aus Querfaden links linksgeneigte Zunahme M1L
Erwachsene Hände arbeiten mit salbeifarbenem Garn eine linksgeneigte Abnahme auf Holznadeln
Bei einer linksgeneigten Abnahme liegt die obere Masche sichtbar nach links.

Linksgeneigte Abnahme Schritt für Schritt

Bei der verbreiteten überzogenen Abnahme hebst Du eine Masche wie zum Rechtsstricken ab, strickst die nächste rechts und ziehst die abgehobene Masche über die gestrickte. Bei SSK werden zwei Maschen einzeln wie zum Rechtsstricken abgehoben, anschließend gemeinsam durch die hinteren Maschenglieder abgestrickt.

Beide Techniken sollen nach links zeigen, können aber je nach Garn, Fadenspannung und Arbeitsweise unterschiedlich flach liegen. Stricke eine Probe und wähle die Variante, die zum Gegenstück auf der rechten Seite passt.

  1. Maschenlage prüfen
  2. erste Masche wie zum Rechtsstricken abheben
  3. zweite Masche ebenfalls abheben
  4. beide Maschen zurück auf die linke Nadel legen oder direkt von hinten erfassen
  5. gemeinsam durch die hinteren Glieder abstricken
  6. Neigung im fertigen Maschenbild kontrollieren
Zwei Strickproben vergleichen deutlich sichtbare links- und rechtsgeneigte Maschenlinien
Die Neigung bestimmt, in welche Richtung eine dekorative Linie im Maschenbild läuft.

M1L: linksgeneigt aus dem Querfaden zunehmen

Für M1L hebst Du den Querfaden zwischen zwei Maschen mit der linken Nadel von vorn nach hinten auf. Dann strickst Du ihn rechts verschränkt durch das hintere Maschenglied. Die Verschränkung schließt das Loch und legt die neue Masche nach links.

Wird der Querfaden aus der falschen Richtung aufgenommen oder durch das falsche Glied gestrickt, entsteht entweder ein Loch oder die Neigung kippt. Sprich Dir beim Üben ruhig die Bewegungsfolge vor: von vorn aufnehmen, hinten abstricken.

Cremefarbenes Lace-Blatt zeigt symmetrisch angeordnete links- und rechtsgeneigte Abnahmen
Gegengleiche Abnahmen rahmen Motive ein und geben Lace-Blättern eine klare Symmetrie.

Neigungen in Charts und Anleitungen lesen

Strickschriften verwenden häufig diagonale Symbole, deren Schrägstellung die sichtbare Richtung zeigt. Verlasse Dich dennoch auf die Legende, denn Symbolsysteme unterscheiden sich. In Rückreihen kann die Arbeitsrichtung die gedankliche Orientierung zusätzlich drehen.

Markiere zusammengehörige Abnahmen farbig und prüfe, ob sie ein Motiv einrahmen oder auseinanderlaufen sollen. Bei Raglanlinien zeigt die Anordnung meist zur betonten Mittelmasche hin oder von ihr weg.

Garn, Nadeln und Maschenprobe

Glattes, rund gezwirntes Garn zeigt Neigung und Maschenlage am klarsten. Flauschiges Mohair macht harte Linien weicher, kann aber kleine Fehler verstecken und das Ribbeln erschweren. Spitze Metallnadeln greifen mehrere Maschen präzise; Holz bremst rutschige Fasern.

Wasche die Probe, bevor Du Symmetrie beurteilst. Wolle entspannt sich, kleine Spannungssprünge können ruhiger werden. Eine tatsächlich verdrehte oder falsch geneigte Masche ändert ihre Richtung durchs Waschen jedoch nicht.

Typische Fehler und Korrektur

Eine zu feste SSK-Abnahme wirkt oft wulstig. Hebe die Maschen nur so weit wie nötig und forme die neue Masche am Nadelschaft. Zeigt die Linie in die falsche Richtung, wurde meist die Gegenabnahme verwendet.

Ein einzelner Fehler lässt sich bis zur Stelle fallenlassen und mit einer Häkelnadel neu aufbauen. Bei kompliziertem Lace ist ein kontrollierter Ribbit bis zur Rettungsleine sicherer. Vergleiche nach der Korrektur die obere Masche mit der benachbarten Linie.

  • Legende statt Symbol vermuten
  • linke und rechte Variante paarweise proben
  • Maschen nicht an der Spitze festziehen
  • Querfaden in der richtigen Richtung aufnehmen
  • gewaschene Probe auf Symmetrie prüfen
Tipp aus dem Handarbeitskorb: Stricke ein kleines V: links eine linksgeneigte, rechts eine rechtsgeneigte Abnahme. Das Auge versteht die Technik schneller, wenn beide Richtungen direkt nebeneinanderliegen.

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Fazit

Linksneigung ist die sichtbare Richtung einer Masche – und damit ein kleines Detail mit großer gestalterischer Wirkung. Wenn Aufnahmeweg, Maschenschenkel und Abstrickrichtung stimmen, werden Abnahmen und Zunahmen spiegelbildlich, ruhig und genau so ausdrucksstark, wie Dein Muster es vorsieht.

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