Doppelmasche stricken: Verkürzte Reihen ohne sichtbare Löcher
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Die Doppelmasche sieht für einen Moment so aus, als hätte sich eine Masche verdoppelt – tatsächlich bleibt die Maschenzahl unverändert. Sie ist die charakteristische Wendestelle der German Short Rows und bringt zusätzliche Reihen genau dorthin, wo Strickteile Form brauchen. Mit einem beherzten, aber nicht brutalen Fadenzug entstehen Fersen und Schultern fast ohne sichtbare Löcher.
Was ist eine Doppelmasche?
Eine Doppelmasche entsteht nach dem Wenden verkürzter Reihen. Die erste Masche wird abgehoben und der Arbeitsfaden so über die Nadel zurückgezogen, dass beide Maschenschenkel nach oben wandern. Optisch liegen zwei Fäden auf der Nadel, konstruktiv gehören sie zu einer einzigen Masche.
Sie ist keine Zunahme und darf beim späteren Erreichen nicht zweimal gearbeitet werden. Beide Schenkel werden gemeinsam rechts oder links abgestrickt. In englischen Anleitungen heißt die Methode häufig German Short Rows oder double stitch.
| Methode | Wendestelle | Besonderheit |
|---|---|---|
| Doppelmasche | hochgezogene Maschenschenkel | kein separater Wickelfaden |
| Wrap and Turn | Faden wickelt die Masche | Wickel wird später aufgenommen |
| Shadow Wrap | zusätzliche Schattenmasche | sehr unauffällige Struktur |
| Japanische Wendung | Schlaufe oder Marker | wenig Garn an der Wendestelle |
| Umschlagmethode | Umschlag nach dem Wenden | abhängig von Anleitung und Muster |

Doppelmasche auf der rechten Seite
Wende die Arbeit. Hebe die erste Masche wie zum Linksstricken mit dem Faden vor der Arbeit ab. Ziehe den Faden anschließend kräftig nach oben und über die rechte Nadel nach hinten. Die Masche kippt, und ihre beiden Schenkel liegen sichtbar auf der Nadel.
Stricke nach Anleitung weiter. Der Fadenzug muss die Wendestelle schließen, darf aber das Garn nicht beschädigen oder die Nachbarmasche winzig ziehen. Bei lockerem Single-Ply ziehst Du kontrollierter als bei festem Sockenzwirn.

Doppelmasche auf der linken Seite
Nach dem Wenden liegt der Faden zunächst vor der Arbeit. Hebe die erste Masche wie zum Linksstricken ab und ziehe den Faden über die Nadel nach hinten beziehungsweise rund um die Nadel wieder in die korrekte Arbeitsposition. Auch hier werden beide Schenkel sichtbar.
Die genaue Handbewegung kann je nach Strickhaltung variieren. Entscheidend ist das Ergebnis: zwei Schenkel derselben Masche liegen dicht beieinander, und der Arbeitsfaden startet ohne zusätzliche Umschlagmasche. Halte Dich bei einer Anleitung an deren definierte Variante.

Doppelmasche abstricken
Wenn Du später zur Wendestelle zurückkehrst, stichst Du durch beide sichtbaren Schenkel und strickst sie gemeinsam als eine Masche. Auf der rechten Seite meist rechts, auf der linken entsprechend links oder nach Muster. Bleibt ein Schenkel ungestrickt, entsteht eine lose Schlaufe.
Prüfe nach wenigen Maschen die Vorderseite. Ein kleines Loch kann durch unvollständiges Erfassen oder zu lockeren Fadenzug entstehen. Ziehe nicht nachträglich an einzelnen Maschen, sondern korrigiere die Wendestelle, solange sie erreichbar ist.
- bis zur angegebenen Wendestelle stricken
- Arbeit wenden
- erste Masche wie zum Linksstricken abheben
- Faden hoch und über die Nadel ziehen
- nach Anleitung weiterstricken
- beide Schenkel später gemeinsam abstricken
Wo werden Doppelmaschen eingesetzt?
Sie formen Jojo-Fersen, Schulterabschrägungen, Nackenanhebungen, Brustabnäher, Rundpassen und unterschiedlich lange Vorder- oder Rückenteile. Verkürzte Reihen fügen lokal Höhe hinzu, ohne die Gesamtbreite zu verändern.
Bei Streifen und Colorwork können Wendestellen sichtbar werden, weil dieselben Reihen nicht überall gearbeitet werden. Plane Farbwechsel bewusst. Strukturmuster müssen über die verkürzten Reihen hinweg weitergeführt oder in einer ruhigen Zone platziert werden.
Maschenprobe und Garnverhalten
Übe mehrere Wendestellen in glatt rechts und in Deinem Projektmuster. Glatte helle Garne zeigen jeden Zugunterschied, Flausch kaschiert kleine Übergänge. Sehr rutschige Garne können sich wieder lockern; fest gedrehte Garne halten die Form klar.
Wasche die Probe. Wolle gleicht leichte Unruhe oft aus, Baumwolle zeigt die Wendestelle deutlicher und Alpaka kann sich verlängern. Die Reihendichte bestimmt, wie viel zusätzliche Höhe verkürzte Reihen tatsächlich liefern.
Typische Fehler und Lösungen
Wird die Doppelmasche versehentlich als zwei Maschen gestrickt, erhöht sich die Maschenzahl. Sitzt sie falsch orientiert, entsteht ein verdrehter oder lockerer Übergang. Markiere Wendestellen, wenn Du die beiden Schenkel noch nicht sicher erkennst.
Sehr festes Anziehen kann den Faden schwächen und die Nachbarmasche verformen. Zu lockeres Anziehen lässt ein Loch. Übe den Fadenzug an derselben Garnbasis und kontrolliere Vorder- und Rückseite.
Lesen, zählen und pflegen
In der Maschenzählung zählt die Doppelmasche als eine Masche. Anweisungen wie „bis drei Maschen vor der Doppelmasche“ beziehen sich auf diese Einheit. Zähle nicht die sichtbaren Schenkel einzeln.
Nach dem Waschen wird das Stück in Form getrocknet, ohne die Wendestellen auseinanderzuziehen. Ein ruhiger Umgang mit den Maschen ist wirksamer als aggressives Nachspannen.
Passende Grundlagen im Shop
unsere Anleitung zum Üben und Waschen, unseren Ratgeber zur passenden Nadel und unsere Nadelauswahl für saubere Wendestellen begleiten Dich beim Planen und entspannten Weiterarbeiten.
Fazit
Die Doppelmasche ist keine zusätzliche Masche, sondern eine kluge Wendestelle. Hebe die erste Masche ab, ziehe ihre Schenkel kontrolliert hoch und arbeite beide später gemeinsam. Mit einer kleinen Probe lernst Du den richtigen Fadenzug – dann formen verkürzte Reihen Fersen, Schultern und Ausschnitte sauber und fast unsichtbar.
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