Beidseitige Abnahme stricken: Form und Neigung richtig planen

Beidseitige Abnahme stricken: Form und Neigung richtig planen

„Beidseitig je eine Masche abnehmen“ klingt klein – rechnerisch verschwinden in dieser Reihe aber zwei Maschen. Genau hier stolpert selbst ein entspannter Strickabend gern über die Zählung. Dazu kommt die sichtbare Neigung: Zwei Maschen rechts zusammen ergeben eine andere Linie als eine überzogene oder SSK-Abnahme. Mit einem klaren Spiegelpaar und einer einfachen Maschenbilanz wird die Formgebung wunderbar ruhig.

Was bedeutet beidseitig abnehmen?

Bei einer beidseitigen Abnahme wird an der rechten und linken Kante eines flach gestrickten Teils in derselben vorgesehenen Reihe abgenommen. Meist ist je eine Masche pro Seite gemeint. Die Gesamtmaschenzahl sinkt dann pro Abnahmeereignis um zwei. Die Technik formt Armausschnitte, Taillen, Ärmelkugeln, Mützen- oder Fäustlingsspitzen.

„Beidseitig“ kann in Anleitungen auch bedeuten, am Anfang der nächsten zwei Reihen Maschen abzuketten. Das geschieht nicht gleichzeitig, sondern nacheinander an beiden Kanten. Lies deshalb genau, ob abnehmen, abketten, jede Hinreihe oder jede Reihe genannt ist.

Anweisung Veränderung Typische Anwendung
je 1 M beidseitig abnehmen minus 2 M pro Ereignis sanfte Schräge
je 2 M beidseitig abnehmen minus 4 M pro Ereignis stärkere Formung
am Anfang der nächsten 2 R abketten eine Kante je Reihe Armausschnitt-Stufe
in jeder 2. R beidseitig meist in jeder Hinreihe gleichmäßige sichtbare Linien
in Runden an zwei Markern zwei Formstellen pro Runde Mütze, Ärmel oder Körper
Erwachsene Hände stricken an beiden Kanten einer cremefarbenen Probe symmetrische Abnahmelinien
Je eine Abnahme an beiden Seiten reduziert eine Hinreihe insgesamt um zwei Maschen und formt die Fläche symmetrisch.

Die Maschenzahl richtig berechnen

Für je eine Masche auf jeder Seite gilt: neue Maschenzahl = Ausgangsmaschen minus 2 × Anzahl der Abnahmeereignisse. Startest Du mit 94 Maschen und nimmst siebenmal beidseitig je eine Masche ab, rechnest Du 94 − 2 × 7 = 80 Maschen. Randmaschen bleiben dabei nur erhalten, wenn Du neben ihnen abnimmst.

Bei je zwei Maschen pro Seite lautet der Abzug 4 × Ereignisse. Schreibe die Sollzahl vor Beginn auf und kontrolliere nach jeder zweiten oder dritten Abnahme. Stimmt die Zahl nicht, prüfe zuerst, ob eine Seite vergessen oder versehentlich zweimal gearbeitet wurde.

  1. Ausgangsmaschen notieren
  2. Abnahme pro Seite bestimmen
  3. mit zwei Seiten multiplizieren
  4. Anzahl der Wiederholungen einrechnen
  5. Sollmaschenzahl aufschreiben
  6. während des Strickens abschnittsweise kontrollieren
Makrovergleich zeigt linksneigende überzogene Abnahme und rechtsneigendes Zusammenstricken als Spiegelpaar
Am Reihenanfang wird häufig linksneigend, am Reihenende rechtsneigend abgenommen – so spiegeln sich die sichtbaren Linien.

Rechts- und linksneigende Abnahmen spiegeln

Auf der Vorderseite neigt „2 Maschen rechts zusammenstricken“ die sichtbare Abnahmelinie nach rechts. Eine überzogene Abnahme oder SSK-Variante neigt nach links. Für eine klassische symmetrische Innenlinie arbeitest Du nach den Randmaschen am Reihenanfang häufig linksneigend und vor den Randmaschen am Reihenende rechtsneigend.

Die beiden Techniken sollten konstruktiv zusammenpassen: entweder beide unverdreht oder bewusst beide verdreht. Ihre Optik ist selten absolut identisch, weil der Fadenweg verschieden ist. Waschen gleicht Spannung etwas aus, ersetzt aber kein konsistentes Spiegelpaar. Probiere Varianten im Projektgarn.

Markierte Strickprobe zeigt beidseitige Abnahmen in jeder zweiten Reihe mit nachvollziehbarer Maschenzählung
Marker, Strichliste und die erwartete Maschenzahl halten wiederholte Abnahmen maschengenau im Takt.

Abstand zur Kante und betonte Linien

Direkt an der Randmasche ist die Abnahme funktional, aber beim späteren Nähen kann die Linie verschwinden. Arbeitest Du ein bis drei Maschen vom Rand entfernt, entsteht eine sichtbare betonte Abnahmelinie und die Nahtkante bleibt stabil. Die Anleitung nennt häufig „neben 1 oder 2 Maschen abnehmen“.

Bei glatt rechts ist die Richtung gut sichtbar. In Rippen, Struktur- oder Colorworkmustern musst Du zusätzlich prüfen, wie die verbleibenden Maschen ins Muster passen. Manchmal ist eine neutrale oder anders platzierte Abnahme schöner als eine perfekte Spiegelneigung, wenn dadurch der Rapport maschengenau bleibt.

„In jeder zweiten Reihe“ richtig lesen

Beim flachen Stricken bedeutet jede zweite Reihe meist, dass die Abnahmen stets auf derselben Seite des Gewebes liegen – häufig in jeder Hinreihe. „In jeder vierten Reihe“ lässt drei Reihen ohne Abnahme zwischen zwei Abnahmereihen liegen. Der Startpunkt hängt von der genauen Formulierung ab: „nun abnehmen und dann noch 5-mal“ ist etwas anderes als „insgesamt 5-mal“.

Markiere jede Abnahmereihe mit einer Strichliste oder einem Reihenzähler. Setze unterschiedliche Marker für Anfang und Ende, wenn die Techniken leicht zu verwechseln sind. Zähle Wiederholungen, nicht nur Reihen, und hake Größenangaben in der Anleitung deutlich ab.

Beidseitige Abnahmen in Runden

In Runden gibt es keinen natürlichen Reihenanfang an beiden Seiten eines flachen Teils. Zwei oder mehr Marker definieren die Formachsen. Für einen Ärmel können Abnahmen beidseits eines Unterarmmarkers liegen; für eine Mütze werden mehrere Abnahmestellen gleichmäßig verteilt.

Beachte, dass „beidseits des Markierers“ zwei Abnahmen an einer einzigen markierten Achse meint. Bei mehreren Markern vervielfacht sich der Maschenverlust entsprechend. Vier Marker mit je einer Abnahme davor und danach reduzieren eine Runde beispielsweise um acht Maschen. Die Maschenbilanz schützt vor Überraschungen.

Maschenprobe und Spannung

Stricke eine Probe mit beiden Neigungen und mehreren Abnahmereihen. Wasche sie, denn Garn kann aufblühen und die Linien weicher machen. Glattes, rund gezwirntes Garn zeigt die Architektur klar; Mohair oder voluminöser Fluff lässt Übergänge verschwimmen.

Halte die Nadelspitzen beim Zusammenstricken nah beieinander. Ziehst Du die Maschen weit auseinander, wird eine Abnahme größer und unruhiger. Spitze Metallnadeln erleichtern feste Abnahmen, Holz gibt Kontrolle bei glattem Garn. Wähle das Werkzeug, das beide Seiten gleichmäßig werden lässt.

Typische Fehler und schnelle Rettung

Fehlt eine Abnahme nur wenige Reihen tiefer, kannst Du die betroffene Maschensäule gezielt fallen lassen und mit einer Häkelnadel neu aufbauen, wenn das Muster einfach ist. Bei mehreren Fehlern ist kontrolliertes Ribbit meist schneller und sauberer. Sichere die Zielreihe mit einer dünnen Rundnadel oder Rettungsleine.

Sind beide Abnahmen gleich geneigt, bleibt die Maschenzahl korrekt, aber die Optik asymmetrisch. Entscheide nach Sichtbarkeit und Projektanspruch, ob Du korrigierst. Falsche Wiederholungszahl verändert dagegen Form und Maße – hier solltest Du nicht auf das Waschen hoffen.

Tipp aus dem Strickkorb: Schreibe am Reihenanfang auf einen Marker „L“ und am Reihenende „R“: linksneigende Abnahme zuerst, rechtsneigende zuletzt. Nach wenigen Reihen liest Du die sichtbaren Linien wie zwei Pfeile zur Mitte.

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unseren Grundlagenbeitrag zu Abnahmetechniken, unsere Anleitung zum Prüfen von Maschenbild und Maß und unsere Stricknadeln für kontrollierte Abnahmen begleiten Dich beim Planen und entspannten Weiterarbeiten.

Fazit

Eine beidseitige Abnahme ist Technik und Mathematik in einer wunderbar klaren Maschenlinie. Rechne den gesamten Maschenverlust vorab, spiegele die Neigungen bewusst und markiere jede Wiederholung. Wenn Abstand zur Kante, Muster und Garn zusammenspielen, formst Du Armausschnitte, Ärmel und Spitzen symmetrisch – ohne dass der Reihenzähler den Tee kalt werden lässt.

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