Afterthought-Ferse stricken: Die nachträglich eingesetzte Ferse Schritt für Schritt

Afterthought-Ferse stricken: Die nachträglich eingesetzte Ferse Schritt für Schritt

Eine Socke einfach als Schlauch stricken und die Ferse erst später einsetzen – das klingt fast wie ein kleiner Strickzauber. Genau das ist die Afterthought-Ferse. Sie unterbricht weder Ringel noch Farbverlauf und lässt sich bei Verschleiß vergleichsweise gut ersetzen. Ihr deutscher Name „nachträglich eingesetzte Ferse“ beschreibt die Konstruktion ziemlich genau.

Ganz ohne Planung funktioniert sie trotzdem nicht: Position, Tiefe und Maschenaufnahme entscheiden darüber, ob die Ferse bequem sitzt oder am Spann zieht.

Was ist eine Afterthought-Ferse?

Die Ferse wird nach Fertigstellung des Sockenschlauchs aus einer Öffnung heraus gestrickt. Entweder arbeitest Du an der späteren Fersenposition einen kontrastfarbenen Hilfsfaden ein – dann spricht man oft von einer geplanten Afterthought-Ferse – oder Du schneidest später gezielt eine Masche auf. Für den Einstieg ist der Hilfsfaden deutlich entspannter.

Vorteile und ehrliche Nachteile

  • Plus: Ringel und Muster laufen über den Schlauch ungestört weiter.
  • Plus: Ferse und Spitze können als farbige Akzente aus Resten gearbeitet werden.
  • Plus: Eine abgenutzte Ferse lässt sich relativ gezielt erneuern.
  • Minus: Die Form ähnelt einer großen Spitze und bietet weniger Volumen als manche Zwickelferse.
  • Minus: Bei hohem Spann kann der Sitz zu knapp sein.
  • Minus: Die richtige Position muss sorgfältig bestimmt werden.

Verwende strapazierfähige Sockenwolle und eine Nadelstärke, die ein dichtes, elastisches Gewebe ergibt. Passende Werkzeuge findest Du in der Nadel-Kollektion.

Sockenschlauch mit kontrastfarbenem Hilfsfaden an der geplanten Fersenposition
Der kontrastfarbene Hilfsfaden hält den späteren Fersenplatz sicher frei.

Schritt 1: Fersenposition planen

Miss vom Spitzenende beziehungsweise von der Zehenspitze bis zum Fersenmittelpunkt. Berücksichtige, dass die Ferse selbst Tiefe erzeugt. Die genaue Position hängt von Maschenprobe, Fußlänge und Fersenkonstruktion ab. Probiere den Sockenschlauch an, bevor Du den Hilfsfaden einsetzt.

Schritt 2: Hilfsfaden einstricken

Stricke über ungefähr die Hälfte der Sockenmaschen mit einem glatten, gut sichtbaren Restfaden. Schiebe diese Maschen zurück auf die linke Nadel und stricke sie mit dem eigentlichen Garn erneut. Danach setzt Du den Sockenschlauch normal fort. Der Hilfsfaden bildet später eine saubere horizontale Öffnung.

Schritt 3: Maschen sichern und Hilfsfaden entfernen

Nimm zunächst die Maschenschenkel direkt oberhalb und unterhalb des Hilfsfadens auf zwei Nadeln. Kontrolliere maschengenau, dass keine Schlaufe fehlt. Erst dann ziehst Du den Hilfsfaden Stück für Stück heraus. An den seitlichen Ecken entstehen meist kleine Lücken; nimm dort je nach Maschenbild ein bis zwei zusätzliche Maschen auf.

Maschen oberhalb und unterhalb des Hilfsfadens werden auf Nadeln aufgenommen
Erst alle Maschen sichern, dann den Hilfsfaden lösen – so bleibt jede Schlaufe unter Kontrolle.

Schritt 4: Ferse wie eine Spitze formen

Verteile die Maschen auf zwei Nadelhälften. Arbeite seitlich symmetrische Abnahmen, zunächst häufig in jeder zweiten Runde, später in jeder Runde. Die gewünschte Fersentiefe bestimmst Du über Anzahl und Rhythmus der Abnahmen. Die letzten Maschen werden im Maschenstich verbunden oder sauber zusammengezogen.

Fertige kontrastfarbene Afterthought-Ferse mit symmetrischen Abnahmen
Die symmetrische Abnahmelinie formt eine glatte, austauschbare Fersenkappe.

Löcher an den Ecken vermeiden

  • Seitlich zusätzliche Maschen aus dem Querfaden aufnehmen.
  • Aufgenommene Maschen in der ersten Runde verschränkt abstricken.
  • Zusatzmaschen in den folgenden Runden kontrolliert abnehmen.
  • Den Faden nicht brutal anziehen – das erzeugt harte Stellen.
  • Nach dem Waschen das Gestrick sanft in Form legen.

Eine gewaschene Maschenprobe hilft auch bei Socken. Warum, erklärt Die Maschenprobe – wichtig oder Zeitverschwendung?; Pflegetipps findest Du unter Wolle richtig pflegen.

Für welche Projekte eignet sie sich?

Afterthought-Fersen sind wunderbar für Ringelsocken, selbstmusternde Garne und glatt gestrickte Farbverläufe. Auch bei Geschenk-Socken ist die austauschbare Ferse praktisch. Weniger ideal sind sehr hoher Spann, extrem schmale Fersen oder Modelle, die im Schuh besonders anatomisch sitzen müssen.

Fazit

Die Afterthought-Ferse schenkt Dir einen wunderbar ruhigen Sockenschlauch und eine flexibel platzierbare Ferse. Mit Hilfsfaden, sorgfältig gesicherten Maschen und ein paar Zusatzmaschen an den Ecken gelingt sie ohne Ribbit-Drama – modern, reparaturfreundlich und herrlich gut für Farbspiele.

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