Abnehmen beim Stricken: Abnahmen, Neigung und Maschenzahl erklärt

Abnehmen beim Stricken: Abnahmen, Neigung und Maschenzahl erklärt

Abnehmen bedeutet beim Stricken nicht Verzicht, sondern Form. Zwei oder mehr Maschen werden so zusammengeführt, dass weniger Maschen übrig bleiben: Eine Mütze schließt sich, ein Raglan entsteht, ein Halsausschnitt bekommt seine Linie. Der kleine Kniff liegt in der Neigung. Rechts, links oder mittig – jede Abnahme zeichnet eine andere Spur ins Maschenbild.

Was ist eine Abnahme?

Eine einfache Abnahme reduziert die Maschenzahl meist um eine Masche, indem zwei Maschen zu einer gearbeitet werden. Eine doppelte Abnahme reduziert gewöhnlich um zwei Maschen, weil drei Ausgangsmaschen zu einer werden. Entscheidend ist das Ergebnis der konkret beschriebenen Technik.

Abnahmen formen Breite und Kontur, können aber auch dekorative Linien bilden. Bei glatt rechts ist die Neigung gut sichtbar; in kraus rechts oder Strukturmustern wirkt sie zurückhaltender. In Lace gleicht sie häufig die durch Umschläge neu entstandenen Maschen aus.

Technik Verbrauch → Ergebnis Optische Wirkung
2 rechts zusammen 2 → 1 meist rechtsgeneigt
überzogen / SSK-artig 2 → 1 meist linksgeneigt
3 rechts zusammen 3 → 1 deutlich rechtsgeneigt
mittige doppelte Abnahme 3 → 1 mittlere Masche oben
2 links zusammen 2 → 1 Wirkung auf linker Seite prüfen
Mehrere Strickproben zeigen rechtsgeneigte, linksgeneigte und mittige Abnahmen
Abnahmen verändern Maschenzahl und Form – ihre sichtbare Neigung ist zugleich ein Gestaltungselement.

Rechtsgeneigte Abnahme

Beim klassischen Zusammenstricken zweier rechter Maschen stichst Du durch beide Maschen und arbeitest sie gemeinsam ab. Im üblichen westlichen Maschensitz neigt sich die sichtbare Linie nach rechts. Die genaue Einstichrichtung hängt von der Maschenorientierung ab; verdrehte Maschen verändern das Ergebnis.

Diese Abnahme wird häufig rechts einer gedachten Formlinie eingesetzt. Sie eignet sich für Ärmel, Mützenspitzen und einfache Konturen. Ziehe die neue Masche nicht unnötig fest, sonst entsteht neben der Linie ein kleines Loch oder eine steife Stelle.

Zwei Maschen werden für eine sichtbar rechtsgeneigte Abnahme zusammengestrickt
Zwei Maschen rechts zusammenzustricken reduziert in der Regel eine Masche und neigt sich nach rechts.

Linksgeneigte Abnahme

Für eine linksgeneigte Abnahme werden Maschen oft einzeln abgehoben, passend orientiert und anschließend zusammen abgestrickt. Deutsche und englische Anleitungen verwenden unterschiedliche Kürzel und Varianten. SSK, überzogenes Zusammenstricken und andere Methoden können ähnlich, aber nicht völlig identisch aussehen.

Wähle die Technik nach der Anleitung und nach Deinem Maschensitz. Auf einer Probe erkennst Du, welche Variante zu Deiner Spannung passt. Bei spiegelbildlichen Linien sollte die Höhe beider Seiten optisch zusammenpassen; manchmal wirkt eine alternative linksgeneigte Methode ausgeglichener.

Links geneigte und mittige doppelte Abnahme werden an klaren Maschensäulen verglichen
Paarige Neigungen rahmen Formlinien; eine mittige doppelte Abnahme bildet eine klare vertikale Spur.

Mittige und doppelte Abnahmen

Eine mittige doppelte Abnahme lässt häufig die mittlere der drei Maschen oben liegen. Dadurch entsteht eine klare vertikale Linie, ideal für Mützenkronen, V-Ausschnitte und dekorative Blattmotive. Andere dreifache Kombinationen können nach links oder rechts neigen.

Rechnerisch gilt: Werden aus drei Maschen eine, sinkt die Gesamtzahl um zwei. Bei acht Wiederholungen einer doppelten Abnahme verschwinden also 16 Maschen. Kontrolliere, ob Umschläge oder Zunahmen in derselben Reihe die Bilanz verändern.

  1. Ausgangsmaschenzahl notieren
  2. Anzahl der Abnahmestellen zählen
  3. Reduktion pro Stelle bestimmen
  4. gleichzeitige Zunahmen berücksichtigen
  5. erwartete Endmaschenzahl berechnen
  6. nach der Reihe tatsächlich nachzählen

Abstände und Form berechnen

Wenn Du von 100 auf 80 Maschen reduzieren möchtest, müssen netto 20 Maschen verschwinden. Bei einfachen Abnahmen sind das 20 Stellen; bei paarigen Abnahmen pro Formpunkt können es beispielsweise 10 Wiederholungen mit je zwei Abnahmen sein. Die Verteilung hängt von gewünschter Kontur und Reihenanzahl ab.

Abnahmen in jeder Reihe formen steiler als Abnahmen in jeder zweiten oder vierten Reihe. Reihenprobe übersetzt diesen Rhythmus in Zentimeter. Eine Probe mit 30 Reihen auf 10 Zentimeter bedeutet: sechs Abnahmereihen im Abstand von jeweils vier Reihen erstrecken sich ungefähr über 8 Zentimeter, wenn zwischen Startpunkten vier Reihen liegen. Prüfe die Zählweise Deiner Anleitung.

Typische Fehler und Rettung

Ist die Neigung vertauscht, stimmt oft die gewählte Technik oder die Maschenorientierung nicht. Zähle früh und markiere jede Formlinie. Eine vergessene Abnahme lässt sich je nach Konstruktion in der Folgereihe ausgleichen, kann aber die sichtbare Linie versetzen. Bei dekorativen Abnahmen ist gezieltes Ribbit meist schöner.

Sehr feste Abnahmen profitieren von spitzen Nadeln; stark spaltendes Garn verlangt eine glattere Spitze und ruhigen Einstich. Holz gibt Kontrolle, Metall gleitet leichter durch mehrere Maschen. Setze vor komplexen Formabschnitten einen Lebensfaden – das ist Entschleunigung mit Sicherheitsnetz.

Tipp aus dem Strickkorb: Stricke drei kleine Proben nebeneinander und markiere jede Abnahme mit einem kontrastfarbenen Faden. Nach dem Waschen siehst Du ehrlich, welche Neigung und Technik zu Deinem Garn passt.

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Fazit

Abnahmen verbinden Mathematik und Gestaltung. Kenne die Reduktion pro Technik, prüfe die sichtbare Neigung und rechne die Endmaschenzahl vorab. Mit Markierern, passender Nadelspitze und einer kleinen Probe entstehen Formlinien, die nicht nur passen, sondern richtig schön maschengenau aussehen.

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